Über die Ostküste zurück nach Melbourne
- Pengwingstravel
- 27. Jan. 2018
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Juni 2018
Von Sydney nach Melbourne
03. Januar 2018 - 27. Januar 2018

Bega & Umgebung
Wehmütig verließen wir am dritten Januar unsere Unterkunft in Sydney. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit und die Stadt am Meer ist einfach traumhaft. Allerdings hatten wir noch eine weite Strecke vor uns, bis meine Mutter uns Ende Januar in Melbourne besuchen kommen wird und irgendwann muss man nun einmal weiterziehen. Nachdem all unsere Sachen wieder in unseren Boxen im Auto verstaut waren, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Zwischenziel: Bega. Wir hatten bereits im Voraus (auf Grund der Hochsaison) einen Campingplatz für eine Woche gebucht. Zuvor hatten wir in einem Gespräch mit Australiern erfahren, dass Bega vor allem für die gleichnamige Käsemarke bekannt ist, die man hier quasi in jedem Supermarkt findet. Wirklich viel mehr wussten wir allerdings noch nicht, weshalb wir uns einfach überraschen lassen wollten.
Als wir am Campingplatz ankamen, waren wir positiv überrascht: Es war ein recht kleiner Platz mit wenigen Stellplätzen, sehr ruhig, es gab eine gut ausgestattete Küche und WLAN. Auf Nachfrage bei den wirklich netten Besitzern, durften wir sogar kostenlos den Strom benutzen, obwohl wir eigentlich eine „unpowerd-Site“ gebucht hatten. Im Büro holten wir uns Anschauungsmaterial, Karten von Bega und Informationen über diverse Sehenswürdigkeiten. Dabei stieß uns der sogenannte Haycock Point ins Auge, eine Art Kap, ungefähr eine dreiviertel Stunde Fahrzeit entfernt.

Tatsächlich wurden wir nicht enttäuscht, am Haycock Point gab es zahlreiche faszinierende Pools und besonderes schöne, rote Steine und Felsbrocken.
Es war ein wahres Glücksgefühl, barfuß durch die Pools zu laufen, wenn das seichte Wasser bereits von der Sonne erwärmt wurde und tatsächlich Badewannentemperatur hat.
Natürlich wollte auch Simon das Wasser testen, allerdings kam es etwas anders als erwartet. Er hatte nämlich seine Kamera und das Stativ mit dabei, um schöne Fotos von der tollen Landschaft zu schießen, und als er gerade mit seinen Füßen in das warme Wasser steigen wollte, rutschte er an einem glitschigen Stein aus. Ihm ist zum Glück überhaupt nichts passiert, für seine Kamera kann man dies leider nicht behaupten. Das Salzwasser sorgte dafür, dass die Kamera nicht mal mehr einzuschalten war, was die zuvor gute Stimmung und Freude über den großartigen Platz natürlich im Nu senkte.
Natürlich war uns nach dem ärgerlichen Vorfall erst mal die Lust auf weitere Entdeckungen vergangen, weshalb wir schnell zum nächstgelegenen Elektrogeschäft fuhren.
Dort wollten wir nachfragen, wie die Chancen auf Rettung der Kamera so stehen, allerdings sah es nicht gut aus… Das Salzwasser war sehr aggressiv und da die Kamera bereits über ein Jahr alt war, wäre es günstiger sich eine neue zu kaufen, als die kaputten Teile auszutauschen. Ihr könnt euch ja denken, wie ärgerlich das Ganze für uns und besonders für Simon war, auch wenn er selbstverständlich nichts dafür konnte. Aber selbstverständlich können wir besser eine kaputte Kamera in Kauf nehmen, als ein gebrochenes Bein oder ähnliche Verletzungen.

Da ich glücklicherweise ebenfalls meine Kamera mit nach Australien genommen hatte, konnten wir die Fotosession am Haycock Point immerhin noch an einem anderen Tag nachholen. So haben wir aus der doch recht doofen Situation immerhin noch das Beste herausgeholt.
Zudem haben wir noch weitere kleinere Ausflüge unternommen, so waren wir an vielen verschiedenen Stränden in der Umgebung und im Ben Boyd National Park, wo wir uns die sogenannten Pinnacles angesehen haben. Dabei handelt es sich um rote-weiße Felsen direkt am türkisenen und extrem schönen Meer. Der kurze Fußweg zur Aussichtsplattform führte uns durch einen kleinen Wald und man konnte außerdem noch einen weiteren Spaziergang am Strand entlang machen.
Der Vorteil, wenn man mehrere Tage nur an einem Ort ist, ist dass man sich die Tage mit dem besten Wetter aussuchen kann. Meiner Meinung nach ist es besonders ratsam, Strände an schönen sonnigen Tagen zu besuchen, da dann die besonderen Farben des Meeres erst so richtig zur Geltung kommen. Die bewölkten Tage sind dagegen besser für Wanderungen, beispielsweise durch einen Wald, geeignet da die Sonne bei körperlichen Anstrengungen oft noch zusätzlich strapazieren kann. Alles in allem muss ich sagen, dass wir unsere Zeit in Bega schon genossen haben. Zwar gab es den beschriebenen Kamera-Vorfall, allerdings war der ruhige Campingplatz ein doch recht entspannender Kontrast zu der Großstadthektik und die Umgebung durchaus reizvoll.
Mallacoota
Ach ja, unsere Zeit in Mallacoota war wirklich eine Sache für sich. Bereits als wir auf dem Campingplatz ankamen dachten wir: Du meine Güte! Im Gegensatz zum schnuckeligen Campingplatz in Bega, war dieser hier einfach nur gigantisch. Es soll was heißen, wenn man sich bereits auf dem Stellplatz Nummer 234 befindet und zu beiden Seiten neben einem kein Ende des Areals auszumachen ist. Und es war nicht nur unglaublich groß und weitläufig, sondern auch noch proppenvoll! Zugegeben, hätten wir nicht im Voraus gebucht und nicht schon alles bezahlt, wären wir nach einer Nacht wieder gefahren.
Zwar lag der Platz durchaus nett gelegen, nämlich direkt neben einem Salzwassersee und bis zum Strand war es auch nicht weit. Allerdings waren sowohl die Küche als auch die Waschräume unglaublich weit weg, was besonders bei mir für Unzufriedenheit sorgte. Ich muss nämlich nachts des Öfteren das stille Örtchen aufsuchen und wenn ich pro Weg mehr als zwei Minuten brauche, ist es einfach viel zu weit weg. Klar, zwei Minuten klingen jetzt auf den ersten Blick nicht besonders lang, wenn man allerdings im Dunkeln und am besten noch bei Regen mitten in der Nacht eine kleine Wanderung veranstalten muss, ändert man seine Meinung darüber doch recht schnell.
Es tut mir leid, Mallacoota, falls ich dir Unrecht tue, aber bis jetzt warst du leider unser least-favourite-place
Wo ich gerade über Regen spreche; das Wetter stellte ein weiteres Manko dar. So konnte man in der Umgebung generell nicht wirklich viel machen (außer man besaß ein Boot, dann konnte man den See erkunden), und das Wetter war an den fünf Tagen unseres Aufenthaltes auch noch miserabel. „Wie sollen wir es hier nur aushalten?!“, klagte ich Simon mehrmals mein Leid und auch er hatte die Nase nach zwei Tagen bereits voll.

Normalerweise wären wir an einem Regentag in die ortseigene Bücherei gefahren, doch Mallacoota ist so ein winziger Ort, dass es dort nicht einmal eine gibt. Da drei Tage im-Auto-sitzen auch keine befriedigende Lösung ist und es in der Küche zu kalt war, verzogen wir uns größtenteils in das Visitor‑Center nebst des Campingplatzes, was glücklicherweise über zwei Sofas, ein paar Tische und drei Computer verfügte. Dort konnten wir dann im Trockenen ein wenig lesen und stundenweise einen Computer mieten. Eines der wenigen Höhepunkte dieser fünf Tage war ein kleiner, recht netter Markt unweit vom Campingplatz entfernt, auf dem wir zum ersten Mal asiatische Dim Sims probierten: eine Art mit Fleisch gefüllte Teigtasche.
Außerdem unterhielten uns immerhin vier australische Mädels, zwischen 9 und 14 Jahre alt, am letzten Tag ganz gut: wir saßen auf Grund des Regens in der Campküche und wurden mit Fragen über unser Leben in Deutschland quasi gelöchert. Doch auch wir erfuhren einiges über Australien, zum Beispiel dass ein Schulweg von über einer Stunde nichts Besonderes ist, Smiths‘ Chips die allerbesten seien und die vier, die in der Nähe von Melbourne auf einer Farm leben, beinahe täglich Schlangen sehen. Dass wir Mallacoota nicht wirklich als positiv empfunden haben, konnten sie übrigens überhaupt nicht nachvollziehen – aber ihre Familie hatte auch ihr eigenes Boot dabei. Die Freude war dementsprechend riesig, als schließlich der große Tag gekommen war und wir dieses Regennest verließen, um unsere nächste Station Lakes Entrance anzusteuern. Es tut mir leid, Mallacoota, falls ich dir Unrecht tue, aber bis jetzt warst du leider unser least-favourite-place.
Lakes Entrance & Umgebung
Kaum in Lakes Entrance angekommen, begrüßte uns die Sonne mit ihrem strahlendstem Lächeln. Welch ein angenehmer Kontrast zu den verregneten Tagen in Mallacoota! Auch der Campingplatz ließ uns grinsen, er war total übersichtlich und klein, aber mit sehr guten Waschräumen und einer hervorragend ausgestatteten Küche.
Unser Stellplatz direkt neben den Toiletten war besonders für mich noch ein weiterer Pluspunkt. Und es gab wieder ein wenig Zivilisation! Supermärkte, Tankstellen, Restaurants! Auch die Lage gefiel uns auf Anhieb, die vielen Seen sahen besonders von oben betrachtet wunderschön aus.

Alles hätte perfekt sein können, wäre da nicht meine Gesundheit ins Spiel gekommen. Es war ein wunderschöner Morgen, wir genossen die Zeit an diesem tollen Ort und da bemerke ich ihn: einen dicken Knubbel in meiner linken Brust. Erster Gedanke: Scheiße, was ist das denn jetzt?! Also war es natürlich mit der Sorglosigkeit erst einmal vorbei und wir fuhren zum Arzt. Tatsächlich bekam ich noch am selben Tag einen Termin, allerdings konnte der Allgemeinmediziner nichts Genaues feststellen und verwies mich an ein größeres Krankenhaus im nächstgrößeren Ort Bairnsdale.
Natürlich habe ich mir einige Gedanken gemacht, was wäre wenn es wirklich etwas sein sollte und wie sich das Ganze auf unsere Reise auswirken würde. Das Krankenhaus in Bairnsdale war sehr modern und locker mit dem deutschen Standard zu vergleichen, was mich zumindest schon mal ein wenig beruhigte. Nach einer intensiven Ultraschall-Untersuchung musste ich noch eine halbe Stunde auf den Befund warten, der immerhin erlösend war: kein Brustkrebs, lediglich ein harmlose Fibroadenom, das besonders bei jungen Frauen häufiger vorkommen kann. Puh, okay, nochmal Glück gehabt.

Wir entschieden uns dafür, uns in Buchan, nicht weit von Lakes Entrance entfernt, eine geführte Höhlentour zu gönnen. Nacheinander besichtigten wir, die jeweils etwa 500 Meter lange, Royal Cave und dann die Fairy Cave, die nur einen fünfminütigen Fußmarsch voneinander entfernt liegen. Obwohl die Royal Cave als die schwierigere der beiden gilt, kamen mir beide Höhlen von der Enge und dem Schwierigkeitsgrad her recht gleich vor. Unser Guide war ein dynamisches Mädchen, kaum älter als wir, das lustigerweise nur ein Adjektiv kannte und alles als „gorgeous“ beschrieb, was wir in den Höhlen so an Stalaktiten und Stalakmiten zu sehen bekamen.
Entstanden sind die Höhlen bereits vor etwa 400 Millionen Jahren, durch unterirdische Flüsse, die sich durch das Gestein gefressen haben. Jede der beiden Touren dauerte eine Stunde, dazwischen hatten wir eine dreißig minütige Mittagspause, die auch recht angenehm war. Im direkten Vergleich sind beide Höhlen sehr ähnlich, allerdings hat mir die Fairy Cave ein wenig besser gefallen, denn dort gab es wunderschöne kleine Pools und die Felswände schimmerten teilweise wie mit Feenstaub bedeckt – woher sie auch ihren Namen hat. Wer sich also mal in der Nähe von Buchan aufhalten sollte, sollte sich die Höhlen nicht entgehen lassen, die geführten Touren sind informativ und selbst wenn man Enge nicht besonders prickelnd findet (wie ich zum Beispiel) sollte man nicht mit Platzangst zu kämpfen haben. Wir haben die Führungen übrigens schon ein paar Tage zuvor im Internet gebucht, was ich generell empfehlen kann, da man dort des Öfteren auf Preisnachlässe oder spezielle Angebote stoßen kann!
Wilsons Promotory National Park
Diesen wunderbaren National Park an der südlichsten Spitze des australischen Festlands besuchten wir während unserer Woche in Foster gleich zwei Mal, denn er hatte einfach so viel zu bieten, dass wir nicht alles in eine Tagestour stopfen wollten. Warum wir in Foster übernachteten und nicht den Campingplatz im National Park buchten, lässt sich sehr leicht erklären: 60 AUD, die ein Stellplatz ohne Stromanschluss für eine Nacht kosteten, waren uns da einfach zu viel, besonders da wir in Foster für Strom und Internet insgesamt nur 30 AUD bezahlten.

Beim ersten Ausflug unternahmen wir eine kleine Wanderung: Insgesamt etwa anderthalb Stunden stiefelten wir erst am Tidal River, einem seichtem, klarem Fluss entlang, dann ein wenig bergauf und schließlich zu einem felsigen Aussichtspunkt, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf die Meeresbucht erhaschen konnte. Mit wehmütigem Blick sahen wir die vielen Menschen, die im Tidal River und im Meer planschten und dachten uns: das wollen wir auch gerne machen!
Für mich zählt Wilsons Prom nun definitiv zu einem der schönsten Nationalparks, den wir bisher auf unserer Reise besucht haben
Leider reichte an diesem Tag die Zeit nicht mehr für ein erfrischendes Bad, aber das war kein Problem, denn wie bereits erwähnt, kamen wir ja noch einmal wieder. Wir begnügten uns fürs erste damit, die dicken Wanderschuhe auszuziehen und ein wenig durch den Fluss bis ins Meer zu wandern – eine Wohltat für die strapazierten Füße! Zu meiner großen Begeisterung sahen wir sogar einige Fische, darunter auch einen Süßwasserkugelfisch – total niedlich!
Den zweiten Ausflug, zwei Tage später, begonnen wir mit einer weiteren kleinen Wanderung, auf dem Wildlife Track. Ein Weg war nicht wirklich erkennbar und wir gingen zwischen kleinen Sträuchern ein wenig planlos durch die Botanik. Unser Ziel war es eigentlich, tatsächlich auch ein wenig Wildlife zu entdecken, doch nach etwa zwanzig Minuten gaben wir es auf und fuhren lieber zur Whiskey Bay. Dort fanden wir einen schönen Sandstrand und klares Wasser vor und machten ein paar ansehnliche Fotos.

Dann kamen wir auch schon zum Highlight des Tages: das Baden im Fluss. Oder besser gesagt, zunächst das Baden im Meer, damit das Flusswasser danach umso wärmer und „badewannenhafter“ auf uns wirkte. Das kühle Meerwasser war allerdings trotzdem wunderbar und wir warfen uns freudig in die niedrigen Wellen. Irgendwann wurde unsere Badezeit aber abrupt beendet, denn die Flut hatte unsere Taschen mit den trockenen Klamotten erreicht und das Wasser leckte bereits an unseren Sachen. Also schnell zum Strand rennen, Taschen holen, nasse Kleidung auf einen warmen Stein zum Trocknen ausbreiten und rein in das warme Flusswasser.
Anschließend gingen wir dann, voller Sand, aber mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, in die kostenlosen Duschen des Campingplatzes und nutzen das warme Wasser dort ausgiebig. Eine Portion Fish’n’Chips rundete den Tagesausflug ab und für mich zählt Wilsons Prom nun definitiv zu einem der schönsten Nationalparks, den wir bisher auf unserer Reise besucht haben.
Dabei haben wir nur einen Bruchteil des riesigen Areals gesehen, es gibt noch zahlreiche weitere Wanderwege und mehrtägige Wandermöglichkeiten, die wir mangels der passenden Ausrüstung (sprich Zelt, Isomatten, Schlafsäcke) nicht angetreten sind. Aber wir wenn wir irgendwann mal wieder in die Umgebung dieses Parks kommen sollten, ist es ja schön zu wissen, dass es für uns noch einiges zu entdecken gibt.
Die Route:
Bega, Mallacoota, Lakes Entrance, Wilsons Promontory National Park

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