Vom spannenden Norden in den wilden Westen: Die letzte Etappe unserer Australienreise
- Pengwingstravel
- 30. Sept. 2018
- 18 Min. Lesezeit
Darwin - Perth
17. August 2018 - 30. September 2018

Darwin: Isolierte Tropengroßstadt
Nach fünf Tagen Herumgefahre im Outback freuten wir uns sehr auf ein paar Tage in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territories am sogenannten „Top End“. Fast 3000 Kilometer Strecke hatten wir in sehr kurzer Zeit hinter uns gebracht und die Tage vor Darwin bestanden vor allem aus sehr frühem Aufstehen, fahren, fahren, fahren, essen und früh wieder schlafen gehen. Wir hatten wirklich keine Lust mehr darauf, ständig nur im Auto zu sitzen und waren deshalb sehr gespannt auf diese ziemlich isolierte Großstadt, welche 1869 erbaut, und mehrmals von schwerwiegenden Zyklonen sowie im zweiten Weltkrieg zerstört worden ist und anschließend wieder aufgebaut wurde.
Das erste, was wir von der, mit etwa 200.000 Einwohnern größten Stadt des nördlichen Australiens zu sehen bekamen, war ein relativ unansehnliches Industriegebiet mit hässlichen grauen Häusern und Lagerhallen. „Schön hier“, scherzten Simon und ich erst und gingen erst einmal zu der Promenade, um einen besseren Eindruck zu gewinnen. Schnell bemerkten wir die tropische und demnach schwüle Luft und auch, dass der Himmel zwar blau, aber doch leicht verschleiert war. Nie zuvor hatten wir die Luftfeuchtigkeit so gespürt wie in Darwin, obwohl wir ja auch zuvor an der tropischen Ostküste waren. Die Promenade der Stadt liegt, anders als in Cairns oder Townsville, ein paar Meter oberhalb des Meeres, welches am Horizont farblich mit dem verschleierten Himmel verschmolz. Im Zentrum der Stadt gingen wir in ein kleines Thai-Restaurant, in dem wir sehr schmackhaftes und gutes Essen bekamen und uns mit eiskaltem „Chlorwasser“ abkühlten. Auch bei der weiteren Erkundung der Stadt lief uns ständig der Schweiß von der Stirn und wir tranken eine Wasserflasche nach der anderen leer. Dafür sahen wir aber ein paar nette restaurierte Häusers wie eine Kapelle aus beigem Stein und gingen auch zur „Waterfront“, wo wir ein paar Cafés und einen kostenlosen künstlichen Strand vorfanden. Alles war irgendwie ganz nett anzusehen, allerdings hatten wir wirklich das Gefühl so richtig am Arsch der Welt zu sein, um es mal auf den Punkt zu bringen. Zwar gibt es in Darwin alles was man braucht, jedes Geschäft und auch eine durchaus niedliche Innenstadt, Wasser und Parks, doch irgendwie konnte uns Darwin nicht vollkommen begeistern.

Allein wegen der kaum aushaltbaren Hitze, die uns sofort alle Energie auszusaugen schien und wegen der viel zu teuren und nicht gerade schönen Campingplätze (wir hatten auf der Fahrt einen gesehen, der direkt am Highway lag und lediglich aus einer Großen Rasenfläche ohne jeglichen Schatten bestand) waren wir sehr erleichtert, uns für ein B&B entschieden zu haben. Wir fuhren nach Palmerston, dem größten Vorort Darwins, der im Grunde als eigene Stadt fungiert und klingelten um Punkt 18 Uhr an der Haustür eines deutschen Auswandererpaares, das schon seit zehn Jahren in Darwin lebte. Ein netter Mann um die 60 öffnete uns und meinte direkt schmunzelnd „18 Uhr, wie ausgemacht. Wenn das mal nicht typisch deutsch ist!“ Wir erwiderten, dass wir wohl auch nach fast einem Jahr in Australien die Pünktlichkeit noch immer in uns stecken würde und bezogen freudig unser schönes Zimmer, welches glücklicherweise über eine Klimaanlage verfügte. Am nächsten Tag lernten wir auch unsere Gastgeberin kennen, welche uns zur Abwechslung mal ein anderes Bild von den Australiern vermittelte, als wir es bisher erlebt haben.
„Ich sage euch, bei uns im Betrieb arbeiten über 40 Nationalitäten und die Australier sind die schlimmsten. Als ich das erste Mal mit meinem Mann auf eine australische Party ging, da haben ihm alle die Hand geschüttelt, aber mir? Nie! Die Männer und Frauen sitzen hier immer getrennt und die Männer sind die die Grillen und das Sagen haben. Habt ihr schon mal bemerkt, dass die Australier euch nie direkt in die Augen schauen, wenn ihr euch mit ihnen unterhaltet? Es ist wirklich eine komplett andere Welt hier.“ Simon und ich reagierten durchaus überrascht, denn bisher waren uns die Aussies als sehr aufgeschlossenes und nettes Volk aufgefallen und wir konnten uns auch nicht entsinnen, dass sie je unseren Blickkontakt gemieden hätten. Aber wer weiß, vielleicht sieht das Ganze in Darwin, einer irgendwie rau erscheinenden Stadt noch anders aus. Interessant, wie unterschiedlich Wahrnehmungen doch ausfallen können.

In den paar Tagen, die wir in Darwin waren, nutzten wir vor allem die Vormittage dazu etwas zu unternehmen, da die Luftfeuchtigkeit von Stunde zu Stunde intensiver wurde – und das trotz Trockenzeit! Wir gingen in das kostenlose Museum inklusive Kunstgallerie und sahen Aborigine Kunst aus Holz, Skelette von riesengroßen Vögeln aus der Megafauna des Kontinents und ein paar alte Schiffe. Außerdem lernten wir mehr über den Zyklon Tracy, welcher im Jahre 1974 über Darwin fegte und die Stadt beinahe komplett zerstörte. In einer kleinen, dunklen Kammer hörten wir Originalaufnahmen des Sturms und uns wurde dabei ziemlich mulmig zumute. In Deutschland denkt man ja über vieles nach, aber wirklich extremes Wetter gehört in den meisten Fällen nicht dazu, da es uns nicht betrifft. Die Vorstellung, des ein einziger Sturm tausenden Menschen innerhalb weniger Stunden die gesamte Existenz zerstören kann ist wirklich schockierend.
Insgesamt muss ich trotzdem leider sagen, dass uns Darwin von allen australischen Großstädten am wenigsten gefallen hat. Irgendwie kam kein richtiges Gefühl bei uns auf und wir waren froh wieder weiter zu fahren, auch wenn wir durchaus schöne Sachen gesehen haben, wie beispielsweise den botanischen Garten, der wundervoll angelegt ist. Ob wir jemals wieder nach Darwin kommen werden, wissen wir wirklich nicht, allerdings bin ich trotzdem froh, dass wir es nicht ausgelassen haben, da uns bei unserer Rundreise doch etwas gefehlt hätte.
Litchfield Nationalpark: Viele tierische Begegnungen und tolle Wasserfälle
Nur etwa eine Stunde dauerte die Fahrt von Palmerston zum „Litchfield Nationalpark“, einem wahren Schmuckstück des Northern Territories und ein Höhepunkt unseres letzten Roadtrips in Australien. Vom Stuart Highway bogen wir in Richtung Berry Springs ab und folgten der Straße durch den Nationalpark, die uns in einem Halbkreis an allen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte. Ein Teil der Strecke bestand aus einer gut ausgebauten Schotterstraße auf der wir friedlich entlang fuhren, als plötzlich ein ausgewachsenes Känguru zu unserer rechten Seite auftauchte und sich dazu entschied, genau vor unserem Auto über die Straße auf die andere Seite zu hüpfen.
„Stopp!“, schrie ich entsetzt und Simon trat blitzschnell auf die Bremse, was dazu führte, dass wir etwa einen halben Meter vor dem Beuteltier zum abrupten Stand kamen und es so glücklicherweise um Haaresbreite verfehlten
Hätten wir eine Sekunde später gebremst, das arme Känguru wäre uns voll vor die Motorhaube gesprungen und wir hätten nichts dagegen tun können. „Das war knapp!“, sagte Simon erleichtert und mir schlug das Herz noch einige Zeit später vor Schreck bis zum Hals. Wir hatten wirklich großes Glück und passten auf der nachfolgenden Fahrt noch viel mehr auf sprunghafte Kängurus auf als zuvor.

Unsere erste Station in dem Park waren die „Wangi Falls“, die sich gemäß der Trockenzeit als etwas größeres Rinnsal präsentierten, eine raue Felswand hinunterflossen und einen Pool bildeten, in dem schon einige Parkbesucher ihren Schwimmübungen fröhnten. Uns zog es trotz der tropischen Temperaturen nicht ins Wasser und wir begnügten uns damit, die Wasserfälle anzusehen und einen Holzsteg entlang etwas tiefer in den Regenwald zu gehen in dessen Baumkronen massenweise Flughunde kreischten und zwischen den Ästen herumkletterten. Anschließend besuchten wir die ebenfalls sehr schönen „Tolmer“ und die „Florence Falls“ die beide nicht nur durch mehr Wasser sondern auch durch eine wirklich schön, grüne und schroffe Umgebung überzeugten. Ein besonderes Spektakel boten außerdem die vielen Termitenhügel, die Farb- und Formtechnisch an eine Ansammlung Grabsteine erinnerten. Die im Nationalpark lebenden Kompass-Termiten sind tatsächlich dazu in der Lage, ihre komplexen Bauten in Nord-Südrichtung anzulegen, sodass nur die wirklich extrem schmale Seite zur Sonne zeigt und sich der Bau kaum aufhitzt. Neben dem „Friedhof“ entdecken wir außerdem den Burj Khalifa unter den Insektenbauten – einen über drei Meter hohen und fünfzig Jahre alten Bau, ein wirklich beeindruckendes Beispiel der Termitenarchtektur.
Unser Fazit zum Litchfield Nationalpark ist, dass man ihn problemlos innerhalb eines Vormittages besuchen kann, was auch deshalb praktisch ist, da es spätestens ab zwölf Uhr keinen Spaß mehr macht durch die brennende Sonne zu laufen. Landschaftlich hat der Park vieles zu bieten und wer nicht so wasserscheu ist wie wir, findet sicher auch eine tolle Abkühlung in den Wasserfallpools.
Kununurra: Zurück in Western Australia
Nach unserer letzten Nacht im Northern Territory, dem Staat in dem wir insgesamt nur zwei Wochen und damit am kürzesten waren, fuhren wir auf dem Weg nach Kununurra über die Grenze nach Western Australia, wo vor zehn Monaten unser Australienabenteuer begann. Mit der Grenzüberquerung ging auch eine kurze Kontrolle einher, bei der ein netter Herr unsere Kühlbox kontrollierte und uns fragte, ob wir Dinge wie Obst, Gemüse und Honig dabei hätten. Wir verneinten, doch dann fiel mir doch noch etwas ein und ich sagte schnell: „Moment, wir haben doch Honig dabei!“ Eben diesen hatten wir nämlich von Simons Familie vor deren Heimkehr vererbt bekommen, die sich so einen Luxus im Gegensatz zu uns leisten konnte. Anscheinend war die unerlaubte Honigeinfuhr dem Grenzbeamten recht egal, denn er erklärte uns zwar freundlich, dass nur Honig aus Western Australia über die Grenze kommen dürfe, machte aber keine Anstalten uns dieses aus Queensland stammendes Produkt zu entwenden.
So fuhren wir mit Schmuggelware weiter zu unserem Ziel mit dem lustigen Namen und waren auch direkt begeistert von dem tollen Campingplatz in dessen Pool ich mich sogar hinein traute. Es fühlte sich gut an wieder in unserem von uns so genannten „Home State“ zu sein, denn nun waren wir dank unseres schönen Kennzeichens nicht mehr direkt als Ausländer zu erkennen und konnten die Umgebung wieder einmal unauffällig erkunden.
Die dreizehn Dollar Gebühre, die der „Mirima-Nationalpark“ wie jeder Nationalpark in Western Australia pro Fahrzeug kostet, umgingen wir, indem wir unser Auto einfach etwas vor dem offiziellen Eingang parkten und einem etwa einen Kilometer langen Sandweg folgten, der uns an roten Felswänden und einer generell wunderschönen Outbacklandschaft vorbeiführte. Rote Erde, heiße Luft und kaum Menschen – herrlich! Im Anschluss erhaschten wir auf dem Kellys „Knob Lookout“ einen tollen Ausblick auf die Stadt und ihre trockene Umgebung, die nicht nur mit Weite sondern auch mit ein wenig Struktur und interessanten Hügeln überzeugte.

Nur wenige Kilometer weiter fanden wir auch schon das nächste Highlight namens „Ivanhoe Crossing“, einem gepflasterten Weg durch den Ord River. Ja richtig gelesen, wir fuhren durch den Fluss und nicht am Fluss entlang. Mit gerade einmal fünfzehn km/h bretterte unser Jack durch das Wasser und bekam so blitzblanke Felgen und eine kostenlose Unterbodenreinigung. Da es uns so Spaß machte durch den Fluss zu fahren, fuhren wir gleich zweimal hin und zurück und fühlten uns mit einem Mal wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Obwohl Kununurra vielleicht nicht am Arsch, aber am Rücken der Welt liegt, hat die Stadt erstaunlich viel zu bieten und unser Aufenthalt von zwei Nächten erwies sich als voller Erfolg.
Broome: Kamele, Strände und Sonnenuntergänge
Broome hat zwar gerade einmal 14.000 Einwohner und ist damit nicht einmal entfernt eine Großstadt, bekannt ist sie aber doch bei vielen, vor allem für den Abbau von Perlen und den Cable Beach an dem man abends auf einem Kamelrücken der Sonne dabei zusehen kann wie sie im Meer versinkt. Seinen Namen erhielt der Strand zu Ehren der ehemaligen und unterwasserverlaufenden Telegraphenleitung von Java nach Australien. Dieser berühmte und trotzdem nicht besonders überfüllte Strand lag glücklicherweise in einer zu Fuß zu bewältigenden Entfernung von unserem Campingplatz entfernt und so konnten wir in den fünf Tagen, die unser Aufenthalt dauerte, sowohl schöne Strandspaziergänge unternehmen als auch Sonnenuntergänge anschauen. Für eine Kameltour konnten wir uns zwar nicht hinreißen lassen (wir wollten keinem armen Tier zumuten uns beide mit sich herumzuschleppen), dafür schauten wir uns das Spektakel aber gerne aus der Nähe an und hatten so einen Ausblick auf die Kamele und den Sonnenuntergang.
Außerdem fanden wir in Chinatown eine nette Fußgängerzone mit schönen Geschäften und Cafés und besuchten auch den an jedem Wochenende stattfindenden Markt auf dem vor allem verschiedene Schmuckstücke aus Perlen angeboten wurden.
Wer eher auf wunderschöne Landschaften als auf Perlenohrringe steht, für den sollte der „Gantheaume Point“ etwas sein, an dem wir nicht nur die roteste australische Erde, sondern auch noch türkisblaues Wasser und schöne Felsformationen sahen
Da in Australien der Frühling offiziell am ersten September beginnt und wir passenderweise auch Anfang dieses wunderbaren Monats dort waren, sahen wir auch schon ein paar lila Wildblumen aus der rostroten Erde sprießen, was für noch schönere Farbkontraste sorgte. Bei sehr tiefem Wasserstand soll man hier sogar über 120 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußspuren entdecken können!

Generell gefiel uns Broome unerwartet gut und obwohl es im Grunde ähnlich abgelegen ist wie Darwin, kam uns die Stadt irgendwie lebhafter vor als die Hauptstadt des Northern Territories. Außerdem hatte ich die Ehre meinen zwanzigsten Geburtstag in Broome zu feiern, wozu wir in einem schönen Restaurant mit Meerblick einkehrten und Pizza aßen, ich außerdem von ein paar Campern eine Packung Erdbeeren geschenkt bekam und zum Abschluss einen tollen Sonnenuntergang vom Gantheaume Point aus beobachten konnte, zu dem auch noch ein paar Wale durch die Wellen sprangen.
Karijini Nationalpark: Australische Hitze, tiefe Schluchten und Wasserfälle
Der Karijini Nationalpark liegt im Zentrum der Pilbara, einer ziemlich trockenen Region in Western Australia und ist der zweitgrößte Nationalpark des Staates. Zwischen verschiedenen und teilweise wirklich wunderschönen Wildblumen sahen wir dort beeindruckende Schluchten in den typischen australischen Farben, die durch die Mineralien in der Erde hervorgerufen werden, und trotz der Trockenzeit noch recht grüne Bäume.

Schnaufend und schwitzend gingen wir eine Treppe zu den „Fortescue Falls“, wirklich nett anzusehenden Wasserfällen die über zerklüftete Steine in ein Becken mit grünlichem Wasser mündeten. Der erneute Anstieg der Treppen war natürlich noch mal anstrengender als der Abstieg und ich merkte recht schnell, dass ich in Deutschland dringend an meiner Ausdauer werde arbeiten müssen.
Einen Teil des anschließenden Kollabierens schiebe ich allerdings mal auf die Hitze, die sich vor allem in den Schluchten des Nationalparks staute. Etwas schwimmfreudigere Menschen konnten sich immerhin im „Circular Pool“ abkühlen, dessen türkis-schimmerndes und klares Wasser wir an einer anderen Stelle aus einigen Metern von oben betrachten konnten.
Coral Bay: Das Ningaloo Reef vor der Haustür
Auf der Fahrt zu dem wirklich winzig kleinen Örtchen Coral Bay, welches vermutlich ausschließlich von den Touristen lebt, ahnten wir von dem wirklich paradiesisch aussehenden Meer und dem feinen Sandstrand noch nicht viel, denn wir fuhren erst einmal an haufenweise Termitenhügeln in flacher Graslandschaft vorbei. Erst als wir direkt in Coral Bay angekommen waren, sahen wir, weshalb es ein echter Besuchermagnet ist – die Szenerie war einfach so wunderschön, dass wir uns am liebsten direkt in das Meer geschmissen hätten um zwischen Fischen und Korallen hindurch zu tauchen, welche teilweise nicht einmal einen Meter vom Strand entfernt unter der Wasseroberfläche lagen. Hier ist man dem über 250 Kilometer langem „Ningaloo Reef“, dem unbekannteren Pendant zum Great Barrier Reef an der Ostküste und UNESCO-Welterbe, nämlich so nah, dass auch Schnorchelanfänger gerne mal den Sprung ins kühle Nass wagen.

Etwa 220 verschiedene Korallenarten und über 500 Fischarten soll es im Ningaloo Reef geben, sowie Rochen, Seekühe, Haie und Wasserschildkröten. Der einzige Faktor, der nicht vollkommen ideal war, war der Wind, welcher gnadenlos über den Strand fegte. Also warteten wir mit dem Schnorcheln bis zu dem windstillsten Tag und begnügten uns zuvor mit einigen Strandspaziergängen, bei denen wir auch von außen schon ein paar Rochen, interessante Fische und ein paar bunte Krabben sahen. Irgendwann war es aber dann doch soweit und wir liehen uns für je 10 AUD einen Schnorchel mit Maske und Flossen. Ich war außerdem mit einer kleinen Actioncam ausgestattet, die ich elegant mit einem langen Baumwollfaden um mein Handgelenk band, um unter Wasser filmen zu können und sie nicht zu verlieren, falls ich sie ausversehen loslassen sollte. Die erste Schwierigkeit beim Schnorcheln begann auch direkt außerhalb des Wassers, da für meine grazilen Füße erst einmal ein passendes Paar Flossen gefunden werden musste. Gerade als die Dame beim Ausleihshop meinte, dass das nächste Paar aus der Kinderabteilung wäre, passten die kleinsten Erwachsenenflossen glücklicherweise doch und Simon und ich watschelten über den Strand zu einer seichten Stelle an der wir uns in das gefühlt eiskalte Wasser plumpsen ließen.
Zunächst war es für mich, einen absoluten Schnorchelanfänger, sehr schwer den Kopf unter die Wasseroberfläche zu bringen und durch den Schnorchel zu atmen, ich hielt immer wieder einfach die Luft an. Nach ein paar Minuten klappte das Ganze dann aber doch ganz gut und ich sah verschiedene Korallen, bunte Fische und sogar einen Rochen neben und unter mir herumschwimmen. Ab und zu tauchte auch Simon neben mir auf, dessen Brille trotz vorheriger Befeuchtung immer wieder beschlug. Unser erstes Mal schnorcheln war wahrlich nicht perfekt, aber je länger ich im Wasser war, desto mehr nahm ich die Umgebung um mich herum war und ich konnte immer mehr Feinheiten erkennen, wie zum Beispiel ein paar kleinere Fische und tolle blaue Korallen.
Da wir uns noch sehr nah am Strand befanden waren die Korallen vor allem braun, je weiter man hinausschwamm, desto bunter wurden sie
Da wir nach einer halben Stunde allerdings komplett durchgefroren waren, trauten wir uns nicht besonders weit hinaus – schön war es aber trotzdem. Mit der kleinen Kamera filmte ich wie verrückt und verlor sie einmal sogar wirklich, weshalb sich auch das selbstgebastelte Rückholbändchen als glückliche Maßnahme erwies.
Es war schön zu sehen, dass es dem Ningaloo Reef im Vergleich zu seinem großen Bruder an der Ostküste noch recht gut geht und die meisten Korallen noch intakt sind. Der kleine Schnorchel-Trip hat mir noch mehr verdeutlicht, wie schön diese fragilen Ökosysteme unter der Wasseroberfläche wirklich sind und wie viele Tiere in ihnen leben, die es zu schützen gilt.
Kalbarri: Das Fenster der Natur im Nationalpark und unerwartet schöne Strände
Als wir nach Kalbarri kamen, erwarteten wir ehrlich gesagt nicht viel, wurden aber von einem wirklich schönen Ort mit tollen Stränden und einem beeindruckenden Nationalpark positiv überrascht. Direkt vor unserer Haus- bzw. Autotür befand sich der „Murchison River“, welcher dort in den indischen Ozean mündet. Pelikane tummelten sich am Sandstrand und an den Stränden, welche wir sogar innerhalb kürzester Zeit zu Fuß erreichen konnten, schäumten sich tolle Wellen auf, was Kalbarri zu einem Paradies für mutige Surfer macht. Wir fuhren mehrere Stationen entlang der Straße ab und sahen von einem Aussichtspunkt aus sogar eine Gruppe Delfine und ein paar Wale. Wer braucht schon eine teure Wal-Watching-Tour, wenn man die großen Meeressäuger auch mit eigenen Augen aus den Wellen hüpfen sehen kann, ohne etwas zu bezahlen?

Wem Strände allerdings zu langweilig, nass oder sandig sind, dem gefällt vielleicht der „Kalbarri Nationalpark“, welcher innerhalb von einer halben Stunde zu erreichen ist. Da wir erst am späten Nachmittag dorthin fuhren, waren die meisten Tagesbesucher und Busse schon weg und wir hatten die berühmte Attraktion des Parks, „Natures Window“ fast für uns alleine. Zu dieser Sehenswürdigkeit gelangten wir über einen gut ausgebauten Pfad vorbei an der etwa 80 Kilometer langen Schlucht durch die sich der Murchison River schlängelt. Atemberaubende Ausblicke auf den „Loop“, wie die Stelle auf Grund der runden Windung des Flusses heißt, und auf unter Eukalyptusbäumen grasenden Kängurus wärmten unsere Herzen und die anschließenden kleine Wanderung anhand einer schroffen Klippe aus rötlich-weißem Gestein zum Natueres Window erwies sich als Spaß. Natures Window ist der Name für ein Loch in der Klippenwand, durch das man einen Blick auf den Fluss werfen kann – ein natürliches Fenster also.
Nach ein paar obligatorischen Fotos und weiteren verzückten Blicken fuhren wir einige Zeit später bei einsetzender Dämmerung zurück zu unserem Campingplatz und waren endgültig von Kalbarri begeistert.
Perth: Alles auf Anfang: Auto verkaufen und die Stadt noch einmal neu entdecken
Irgendwann war es dann soweit und das Abenteuer Australien nahm sein Ende. Die letzten beiden Nächte in unserem geliebten Auto Jack verbrachten wir in Fremantle, dem Hafenort südlich von Perth, in dem wir auch die allererste Nacht campten und uns dabei fast zu Tode schwitzten. Dieses Mal froren wir nachts allerdings ganz schön und morgens waren die Scheiben von innen ganz beschlagen. Nach einem aufwärmenden Frühstück schlenderten wir durch den Ort und fanden sogar einige Häusers aus dem 19. Jahrhundert vor – Steinalte Gebäude, wenn man nach australischen Verhältnissen denkt. Die Innenstadt gefiel uns ziemlich gut und auch die Strände konnten sich sehen lassen.

Allerdings gab es noch andere Dinge als Stadterkundungen, um die wir uns kümmern mussten. Einen Handyvertrag telefonisch zu kündigen – kein Problem! Allerdings nur, wenn man die viertstellige Sicherheits-PIN-Nummer noch weiß, die man angeblich festgelegt haben soll, als man den Vertrag abgeschlossen hat. Weder Simon noch mir fiel die richtige Nummer ein und so musste jeder von uns noch einmal seine gesamte Lebensgeschichte darlegen um die (wirklich super nette) Telefonisten zu überzeugen, dass wir auch wirklich die sind, die wir zu sein vorgeben. Nach einer halben Ewigkeit waren unsere Identitäten dann bestätigt und wir konnten eine neue PIN-Nummer festlegen. Der Handyvertrag war auch dann noch nicht gekündigt und da die Wartschleife in meinem Fall etwa 20 Minuten gedauert hätte, ließ ich mich am nächsten Tag zurückrufen, nur um erneut ein paar Fragen zu meinem frühen Ausstieg aus dem Vertrag zu beantworten. Nach geschätzten fünf Stunden telefonieren war dann zumindest diese Hürde geschafft: Handyvertrag adé!
Doch natürlich war das noch nicht das Ende. In elf Monaten sammeln sich nämlich automatisch Sachen an, die zum Campen unheimlich praktisch sind, die wir aber nicht mitnehmen können. Also luden wir nach der „letzten“ Nacht alle Dinge aus dem Auto, die wir nicht wegschmeißen wollten und andere noch gebrauchen könnten und stellten sie in die Küche. Ein ganz schöner Haufen sammelte sich dort an, bestehend aus einer Kühlbox, zwei Verlängerungskabeln, zwei Campingstühlen, einem Gaskocher plus Gaskartuschen, ein Topf, vier Teller, jeweils vier Löffel, Gabeln und Messern und anderem Kleinkram.
Nachdem wir all dies aus dem Auto verfrachtet hatten, fuhren wir in freudiger Erwartung zu unserem B&B in Subiaco, dem gleichen Haus, in dem wir auch schon die ersten Nächte in Australien verbracht haben – der Kreis schloss sich
Wir packten unsere Klamotten und all unseren Kram aus dem Auto, nur um kurze Zeit später zu einer Müllhalde zu fahren, wo wir unser Bett, also die fünf Plastikboxen, die zwei Holzbretter und die Matratze weg schmissen. Aus Jack dem Camper war also wieder ein ganz normales Auto geworden.
Nach einer Runde in der Waschanlage, inklusive Staubsaugen und von Simon und mir persönlich ausgeführter Innenraumreinigung wollten wir es dann wissen – Wie viel Geld würden wir für unser Auto wohl bekommen? Mit Jack, so sauber wie wohl zuletzt als Neuwagen, fuhren wir zu dem Händler, bei dem wir in damals gekauft hatten und ließen ihn von jemandem begutachten. „Also für dieses Auto würde ich euch 4.000 Dollar geben“, sagte der Begutachter anschließend und uns fiel vor Schreck fast das Herz in die Hose. 4.000 Dollar waren nämlich nur die Hälfte von dem, was wir eigentlich als Preis erwartet hatten. Wir konnten es nicht fassen, hatte der Wagen, den wir wohlgemerkt für 13.000 AUD erworben hatten, in einem Jahr und mit 40.000 Kilometern mehr auf dem Tacho tatsächlich so viel an Wert verloren? Etwas geknickt fuhren wir noch zu ein paar anderen Händlern, doch 5.000 AUD waren das höchste, was uns jemand anbieten wollte. So langsam gewöhnten wir uns an den Gedanken mit weniger nach Hause zu gehen als erwartet, fuhren allerdings am nächsten Tag noch zu einem anderen Händler wo wir eine neue Strategie versuchten. Als er uns nämlich fragte, wie viel die anderen Händler geboten hätten, sagten wir einfach 5.500 sei das beste Angebot gewesen. „Also ich persönlich finde, dass das Auto etwa 5.000 wert ist. Aber ich will euch gerne helfen. Wie viel muss ich euch geben, dass ihr es an mich verkauft?“, sagte er. Am Ende gingen wir mit 5.600 AUD nach Hause, immerhin 600 Dollar mehr, als wir woanders bekommen hätten und letztendlich wohl das Beste, was wir hätten kriegen können. Der Verkauf selbst gestaltete sich leichter als die Kündigung des Handyvertrages und wir hatten noch am selben Tag das Geld auf dem Konto. Mit einem letzten wehmütigen Blick auf Jack gingen wir zu einer Zugstation und fuhren wieder zu unserem B&B. Nun waren wir ohne Auto und damit irgendwie sorgenfrei, so als wäre ein unbewusster Ballast von uns abgefallen.

Ohne Auto aber dafür mit viel Zeit besuchten wir einige Plätze, die uns auch beim ersten Mal in Perth gut gefallen hatten: den Kings Park, in dem zu diesem Zeitpunkt gerade ein Frühlingsfest stattfand und von dessen „War Memorial“ aus man auf die Skyline der Stadt gucken kann; „Lake Monger“, wo wir kleine Enten- und Schwanküken sahen; die Innenstadt, in der wir durch die Straßen gingen. Aber wir sahen auch neue Dinge, wie zum Beispiel den „London Court“, eine altertümlich erscheinende Gasse, die man durch ein wunderschönes Fachwerkhaus betreten muss und in der wir uns ein wenig vorkamen wie in der „Winkelgasse“ aus den Harry Potter Büchern. Außerdem genossen wir es, wieder in unserer australischen Lieblingsstadt zu sein, in der es nach Frühling und Blumen duftet und in der alles zwar großstädtisch, aber nichts hektisch wirkt.
Rottnest Island: Fahrradtour und niedliche Quokkas
Als wir zum ersten Mal in Perth waren, erfuhren wir von der nahen Insel „Rottnest Island“, welche man von Fremantle aus innerhalb einer halben Stunde Bootsfahrt erreichen kann und die so schön sein soll, dass sie das beliebteste Ferienziel in Western Australia ist. Auf Grund der Hitze, die damals im sommerlichen November herrschte, beschlossen wir bei unserer Wiederkehr nach Perth im kühleren September mal auf Rottnest Island vorbeizuschauen und zu gucken, ob die Insel wirklich so toll ist, wie alle sagen. Mit dem Zug fuhren wir morgens nach Fremantle und mit allerhand anderen Touristen ging es dann auf die Fähre und über das Meer.

Auf Rottnest Island lachte, trotz ein paar Wolken am Himmel, die Sonne und wir liehen uns zwei Fahrräder aus, die zwar ein wenig klapprig waren, aber immerhin drei Gänge besaßen. Wir waren noch keine fünf Minuten unterwegs, da sah ich auch schon zwei Menschen am Wegesrand in die Hocke gehen und entzueckt stellte ich den Grund dafür fest. „Simon! Quokkas!“, rief ich Simon zu, der einfach an den süßen, känguruähnlichen Tieren vorbeigefahren war. Rottnest Island ist bekannt für diese niedlichen Beuteltiere und wurde anfänglich sogar nach ihnen benannt (Rottnest = Rattennest), da sie zunächst für Ratten gehalten wurden. Wir stellten unsere Fahrräder ab und näherten uns den kleinen Quokkas vorsichtig, diese zeugten allerdings keinerlei Scheu vor uns und so konnten wir so nah an sie herangehen, dass sie an unseren Händen schnuppern konnten. Irgendwann entdeckten wir, dass ein Quokka sogar ein Baby in seinem Beutel hatte, welches neugierig sein winziges Köpfchen hinaus streckte.
„Okay, wir können wieder fahren, ich habe alles gesehen, was ich wollte“, sagte ich strahlend. Natürlich machten wir anschließend doch mit der Inselrundfahrt weiter und hielten immer wieder an wunderschönen Stränden mit weißem Sand und türkisblauem Wasser, in dem teilweise Korallen nur wenige Meter vom Strand entfernt unter der Wasseroberfläche lagen. Die Landschaft auf „Rotto“ ist besteht größtenteils aus grün bewachsenen Dünen mit ein paar kleinen Seen und natürlich fast immer mit Meerblick. Nach einem Jahr ohne Radfahren machten uns die unzähligen Hügel ein wenig das Leben schwer, dafür machte das anschließende Berg ab fahren umso mehr Spaß.

Wir fanden unseren Tagesausflug nach Rottnest Island wirklich super und waren froh, dass wir ihn als letztes großes Highlight in Australien noch einbauen konnten. Nach mehreren Stunden Fahrerei um fast die ganze Insel gönnten wir uns zum Abschluss noch zwei große Sandwiches bei einem bekannten Fastfood-Restaurant, das es tatsächlich auf der Insel gibt und waren dabei umringt von noch mehr Quokkas, die vollkommen furchtlos unter den Tischen her hüpften und sich von den Besuchern geduldig fotografieren ließen. Der Tag auf Rotto war einfach großartig und da die Insel so vielfältig ist und es allerlei Tätigkeiten gibt, wollen wir irgendwann mal, also vermutlich so in zehn, fünfzehn Jahren, mal mehrere Tage dort verbringen und noch mehr entdecken.
Ein Jahr Australien: Ein Fazit
Ein Jahr, oder wenn man es ganz genau nimmt elf Monate, bzw. 333 Tage Australien sind um und wir sitzen mit gepackten Koffern in unserem B&B und warten darauf, dass wir zum Perther Flughafen fahren können.
Wir haben es tatsächlich geschafft, wir haben Australien durchquert und umrundet, waren in allen Staaten und Territorien, in der Wüste, an der Küste, in den Tropen, haben wilde Tiere gesehen und einiges erlebt. Ein Jahr ist lang, aber nicht unendlich und im Endeffekt verging die Zeit wie im Fluge. Simon und ich hatten wirklich viel Glück, denn im Grunde ist alles reibungslos verlaufen, weder hatten wir einen Unfall (kein Känguru ist draufgegangen), noch wurden wir bei komischen Jobs abgezogen.
Wir nehmen durchweg gute Erfahrungen mit und haben mehr von diesem tollen Land gesehen, als so mancher Australier. Auch wenn uns manchmal das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte, oder ich bei eiskalten Nächten das Campen verfluchte, so würde ich mich immer wieder dazu entscheiden diese Reise zu machen. Ich will nicht zu sentimental werden, aber es war schön, all diese Erfahrungen zu machen, die mir niemand mehr nehmen kann.
Ich habe nicht nur etwas über das Land gelernt, sondern auch über Dinge, die mir auch in meinem weiteren Leben nützen werden
Es klingt seltsam, aber mittlerweile erscheint uns Deutschland so exotisch, wie Australien es vor unserer Ankunft für uns war. Wir haben unheimliche schöne und einzigartige Landschaften gesehen, aber wir freuen uns auch auf einfache grüne Wiesen, alte Bäume und Häuser, auf die gelben Ortseingangsschilder und auf Deutschland, unsere Heimat. Wie sagt mein Vater so schön: „Man muss gerne wegfahren, aber man muss auch gerne wieder nach Hause kommen.“ Zwar werden wir noch nicht direkt zurück nach Deutschland fliegen, sondern erst noch Neuseeland und Bali einen Besuch abstatten, aber eins hat unsere Reise uns interessanterweise gezeigt: Zuhause ist es eben doch am schönsten.
Die Route:
Darwin, Litchfield National Park, Kununurra, Broome, Karijini National Park, Coral Bay, Kalbarri National Park, Perth & Umgebung

Erster Blogeintrag: Ab ans andere Ende der Welt
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