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Alles über's Reisen

Grüne Wälder, atemberaubende Strände und eine regnerische Wüste

Aktualisiert: 9. Juni 2018

Von Perth nach Adelaide


11. November 2017 - 24. November 2017



Raus aus Perth, nach eineinhalb Wochen raus aus der Großstadt, hinein in die Natur. Das zumindest war der Plan, nachdem wir erfolgreich unser Auto ausgebaut und schlaftauglich gemacht hatten. Am Abend des ersten Ausbau-Tages waren wir soweit, dass wir gerade Bettgestell und Matratze hatten, sodass wir im Auto schlafen konnten – erst um sieben Uhr abends, bei einsetzender Dunkelheit, kamen wir los und verbrachten unsere erste Nacht auf einem Campingplatz etwas südlich von Fremantle. Am nächsten Tag wurden dann die restlichen erforderlichen Dinge für ein erfolgreiches Überleben im Auto besorgt, danach ging die Reise erst so richtig los.


Cape Naturaliste


Das Kap an der Nordspitze der „Halbinsel“ im Südwesten von Western Australia war unser erstes Ziel. Irgendwann hörten die Straßen mit zwei Spuren pro Richtung auf, die Straße führte am Meer entlang. Ein paar Stopps in Mandurah und Busselton, zum Einkaufen und etwas Andere-Stadt-Schnuppern, bis wir kurz hinter Busselton auf die „Caves Road“ abbogen. Die etwas über 200 km lange Straße ist als sogenannter „Scenic Drive“ ausgeschildert, an dem Tag sollten wir der Straße von Kap zu Kap folgen.


Kurviger wurde es, durch bewaldetes Gebiet verlief die Straße, bis etliche Kilometer hinter Dunsborough das „Cape Naturaliste“ ausgeschildert wurde. Der Ort markiert den Übergang von der relativ geschützten Bucht von Busselton nach Bunbury zum offenen Indischen Ozean. Bei strahlend blauem Himmel liefen wir den „Lighthouse Loop“, einen etwa 45-minütigen Rundweg um den örtlichen Leuchtturm, bei dem wir die Küstenvegetation mit reißenden Wellen im Hintergrund und starken Wind um uns herum beobachteten.

Kurz hinter dem Kap, auf dem Rückweg Richtung Caves Road, stießen wir auf das Schild zur „Bunker Bay“: gesehen, hingefahren. 200 Meter später belohnte uns der Anblick des weißen Sandstrands mit türkisblauen Wasser. Zeichnete sich der Cottesloe Beach durch seinen Sand und das klare Wasser, sowie durch seine Lage aus, so befand sich die Bunker Bay inmitten eines Waldgebiets, sodass die Umgebung das Ganze noch abwechslungsreicher machte.


Margaret River & Margaret River Mouth


Weiter auf der kurvigen Caves Road fährt man zwar nicht zwangsläufig über Margaret River, wir aber schon. Durch zahlreiche Schilder wurden wir darauf hingewiesen, dass man sich in der Nähe des größten Ortes der Region befindet. Die Stadt selber ist nicht besonders spektakulär, bestach uns aber v.a. dadurch, dass man wieder Anschluss an die Zivilisation hatte, d.h. es einen Geldautomaten gab und wir uns weitere Campingausrüstung kaufen konnten. Wir dachten damals, dass wir uns schon zwischenzeitlich in der Einsamkeit befanden, wie wir uns doch irrten…



Wir übernachteten etwas östlich von Margaret River, wegen etwas „schlechteren“ Wetters (also Wolken und etwas unter 20 Grad) hatten wir es auch nicht besonders eilig, und wollten am folgenden Tag nur mal eben ans Meer. Die direkte Route vom Campingplatz führt über Margaret River zum „Margaret River Mouth“, dort wo der besagte Fluss ins Meer führt.

Oder führen sollte, denn als wir da waren, endete dieser irgendwie in einer Sandbank kurz vor der Küste. Wie dem auch sei, trotz der dunklen Wolken und kühleren Temperaturen verbrachten wir einige Zeit an dem Strand, für ein paar Fotos und ein wenig entlang spazieren, mit nur wenig anderen Leuten…


Augusta / Cape Leeuwin


Unser eigentlich angepeiltes, nächstes Ziel nach dem Cape Naturaliste, das Cape Leeuwin, verschoben wir aufgrund des schlechten Wetters um zwei Tage, um es vielleicht bei Sonnenschein sehen zu können. Als wir dort ankamen, hingen immer noch die ein oder anderen Wolken über dem Kap, hier und da war aber blauer Himmel zu sehen und die Sonne ließ sich zwischenzeitlich mal blicken. Dementsprechend zufrieden erkundeten wir die Region um das Kap (nicht jedoch das Kap selbst, da dort 12 AUD Eintritt verlangt werden!) am „Water Wheel“, nur knapp hinter der eigentlichen Stelle.



Riesige Steine mit rötlichem Belag lauerten am Hang, die Ufervegetation wechselte mit großen Steinplateaus ab.

Das besagte Water Wheel ist ein ehemaliges Wasserrad, was früher dazu genutzt wurde, Wasser zum Leuchtturm zu transportieren.

Nun ist es verkalkt und stillgelegt, ein schönes Fotomotiv allemal. Wir liefen etwas hin und her, genossen das etwas wärmere Wetter am Meer, und machten uns bereit für die Weiterfahrt in Richtung Osten – westlicher im Süden von Western Australia ging es nicht mehr.


Windy Harbour / Point D’Entrecasteaux


Von Augusta aus führt keine Straße mehr an der Küste entlang – man fährt im Inland durch einsame, jedoch bewaldete Gegenden, in denen wir das erste Mal richtig das Gefühl hatten, inmitten der australischen Natur zu sein, abseits jeglicher Zivilisation.

Nach etwa 300 km Fahrt bogen wir in dem kleinen Ort Northcliffe auf die „Windy Harbour Road“ ab, eine geteerte, etwa 40 km lange Straße, die zu einem Ort führt, der diese Einstufung kaum verdient hat - reihen sich vielleicht 20 kleine Häuser in der Nähe des Meeres aneinander. Auf dem Weg dorthin merkten wir, wie es die ganze Zeit bergab ging – auch die Vegetation wechselte, als wir aus einem Wald heraus fuhren, und in einem flachen Buschland ankamen. Wie erwähnt, der Ort Windy Harbour selbst ist recht unspektakulär, auch der Strand war relativ dreckig und daher wenig sehenswert – und es war des Namens entsprechend sehr windig. Wir verließen die Siedlung relativ schnell, um zum Kap „Point D’Entrecasteaux zu fahren.

Kurz vor Windy Harbour beginnt eine weitere Straße, die entlang vieler Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten des anliegenden Nationalparks entlangführt. Zahlreiche Strände, mehrere Lookouts und zuletzt die Landspitze des Point D’Entrecasteaux: Ein an einer Steilküste gelegener Punkt, von dem aus man nach links und rechts eine hervorragend weite Aussicht  hat. Das Ganze bei blauem Himmel und Sonne, dazu allerdings eine relativ steife Brise. Wir genossen die Aussicht und gingen einmal um den obligatorischen Leuchtturm herum, bevor wir uns zurück auf den Weg nach Northcliffe und danach weiter Richtung Osten machten.


Walpole -  Tree Top Walk


Etwas hinter Northcliffe erreichten wir den National Highway 1, jene Straße, die einmal um den gesamten Kontinent herumführt, und die wir von da an für mehrere tausend Kilometer nicht mehr wesentlich verlassen würden. Alles andere als schnurgerade, wie man sich die australischen Hauptstraßen vorstellt, führt sie kurvenreich und auf und ab durch die dicht bewaldeten Gegenden des australischen Südwestens. Wir erreichten den Ort Walpole, der die erste wirkliche Ansiedlung nach der Einsamkeit darstellt, gegen Mittag.



Hier verbrachten wir zwei Nächte auf einem netten Campingplatz, gelegen „Nornalup Inlet“, einer kleinen Bucht, an der man geschützt am Wasser übernachten kann. Am zweiten Tag ging es zum „Tree Top Walk“, einem Laufsteg auf bis zu 40 m über dem Erdboden.

Über eine Distanz von etwa 600 m läuft man in den Baumkronen durch einen der ältesten Wälder Australiens

Schon die Aborigines kamen vor vielen tausend Jahren am Tag hier hin, verließen ihn aber in der Nacht wieder, da der Wald so dicht war, dass sie bei Dunkelheit nichts mehr sehen konnten. Allein die Stammdicke einiger Exemplare zeugt von dieser langen Vergangenheit des Waldes, einige haben mannsgroße Löcher am Boden, die durch Insekten in vielen Jahren Arbeit gefressen wurden.

Vom höchsten Punkt des Wegs befanden wir uns dann zwar nicht am höchsten Punkt des Waldes, aber doch so hoch, dass wir über einige Kronen hinwegsehen konnten. Hier sahen wir auch aus der Ferne das erste Mal in Australien einen Waldbrand, der sich später noch vergrößern und sich in unsere Richtung entwickeln sollte.


Stirling Range National Park


Etliche Kilometer über den South Coast Highway fuhren wir von Walpole bis nach Albany, wo wir aufgrund bewölkten Wetters nur relativ kurz verweilten, und uns die Halbinsel der Stadt anschauten. Wir beschlossen, am selben Tag noch weiter in Richtung Esperance zu fahren und entschlossen uns hierbei, eine etwa 100 km längere Route durch die „Stirling Ranges“ (ein kleine Bergkette inmitten einer weiten Farmlandschaft) zu nehmen.



Grün bewachsen erschienen die Berge plötzlich am Horizont. Bis wir durch ein Tal durch den Nationalpark fuhren, dauerte es aber noch einmal etwas mehr als eine halbe Stunde. Wir bogen auf eine der vielen Gravel Roads, die oftmals von den Hauptstraßen zu Sehenswürdigkeiten führen, ab, und liefen ein wenig den Mount Hassel hoch.

Das hätte pro Richtung ungefähr zwei Stunden gedauert, wir liefen aber aufgrund der aufziehenden dunklen Wolken doch nur etwa zehn Minuten – einen schönen Ausblick auf die bewaldeten Berge und die weite Ebene hatten wir trotzdem.


Esperance Great Ocean Drive


Nach einer Nacht auf einem Campingplatz in einem westaustralischen Outbackort, ging es dann endgültig weiter nach Osten, Ziel: Esperance. Stellt die Stadt selber nicht wirklich eine Sehenswürdigkeit dar, ist sie doch der einzig nennenswerte Ort in der Umbegung, und Ausgangspunkt für den sogenannten „Great Ocean Drive“ (nicht mit der bekannteren Great Ocean Road in Victoria zu verwechseln).

An dieser Küstenstraße reiht sich ein Strand an den nächsten, hinter jeder Kurve kommt ein anderes Küstenbild in Sicht

Es gibt immer wieder Parkplätze am Straßenrand, um anzuhalten. Die ersten Strände waren noch sehr breit und bestanden fast ausschließlich aus Sand, später kamen dann kleinere mit vielen Steinen und höheren Wellen dazu. Auch schien am Anfang noch die Sonne, später verdunkelte sich der Himmel und wir übersprangen die letzten beiden Strände, um zurück zum Campingplatz im Ort zu fahren: Das Wetter ließ hier im Südwesten von Western Australia zum Zeitpunkt unseres Besuchs echt zu wünschen übrig.


Nullarbor Plain


Die Nacht im strandnahen Campingplatz in Esperance war überstanden, vor uns lagen etwa 1500 km auf dem National Highway 1: Etwa 400 km bis Norseman und von da an über 1000 km über die „Nullarbor Plain“, der baumlose Ebene. Wir stellten uns am Anfang nicht wirklich viel unter der Fahrt vor, nur dass wir die Strecke fahren mussten und die Wüste hier bis an die Küste reicht.

Viel weniger einsam, grüner und vor allem nasser als in der Vorstellung präsentierte sich die Landschaft auf unserer zweitägigen Überfahrt. Statt sengender Hitze bei über 40 °C und knallender Sonne zogen erneut unsere (leider) wohl bekannten dunklen Wolken auf. Ab dem „Eyre Highway“ hinter Norseman kamen dann die ersten Tropfen, immer mal wieder sollte es in der nächsten Zeit Schauer geben, und die sonst so trockene Wüste in einen farbenfrohen Teppich aus doch einigen Bäumen und vielen Sträuchern verwandeln. Und wir begegneten viel mehr Fahrzeugen als gedacht: Wohl mindestens alle zehn Minuten kam uns ein Auto oder Road Train entgegen oder befand sich vor oder hinter uns auf der Spur. Somit hatten wir zu keinem einzigen Zeitpunkt auch nur im Entferntesten das Gefühl, bei einem Notfall alleine sein zu müssen.



Wir wechselten uns mit dem Fahren ab, und Fiona hatte das „Privileg“, das längste gerade Stück Straße Australiens zu fahren.

146,6 km nur geradeaus, ohne die geringste Kurve.

Schnurgerade, ohne das geringste Auf oder Ab ging es dann für etwas mehr als eine Stunde die Straße entlang, am Horizont schon immer in Sichtweite, dass es in einiger Entfernung nicht anders werden würde.

Nach einem Fahrerwechsel dämmerte es, relativ früh nach unserem Empfinden. Zum Einen fuhren wir in Richtung Osten und somit in Richtung Zeitzonenwechsel, und zum Anderen befand sich eine dichte Wolkendecke über uns, die wohl das meiste des noch vorhandenen Lichts schluckte. Aufgrund der aufkommenden Dunkelheit und auch wegen der anhaltenden Schauer, wollten wir so schnell wie möglich zum nächsten Roadhouse, was aber noch viele Kilometer entfernt war. Und da kamen sie: Dämmerungsaktiv und sehnsüchtig nach dem Regenwasser in den Spurrillen der Road Trains: Hunderte Kängurus bevölkerten auf einmal den Straßenrand. Zwar hatten wir schon zwei Kängurus nachts auf dem Campingplatz in Walpole gesehen (was auch immer die da wollten), aber kamen sie hier in einer Anzahl, was wohl für jeden Australienreisenden ein glücklicher Zufall darstellen würde.



Das Glück wurde nur dadurch etwas getrübt, dass die Fahrt durch ihr Auftauchen deutlich gebremst wurde, da man bei jedem am Straßenrand stehenden Tier abbremste, um zu gucken, ob es nicht doch aus Versehen über die Straße hüpft. Nach einer Weile, kurz vor dem Ziel und bei schon fast vollständiger Dunkelheit, fingen sie dann doch an, mit ihrer Anwesenheit zu nerven – Ein sich vor uns befindlicher Road Train half uns aber netterweise mithilfe seines Blinkers auf die Kängurus aufmerksam zu werden, leider erwischte er aber selbst mindestens eins.

Auf etwas mehr als der Hälfte, ungefähr 50 km vor der Grenze nach South Australia, hielten wir am „Mundrabilla Roadhouse“ an, einer von einer Handvoll Versorgungsstationen, die sich alle paar hundert Kilometer am Straßenrand befinden, um den Reisenden und vor allen Dingen den Road Trains mit dem Nötigsten versorgen: Benzin, Verpflegung und eine Unterkunft nach einer langen Fahrt. Bei Regen bereiteten wir uns unter dem Dach der Tankstelle auf die Nacht vor, und waren wieder einmal froh, kein Zelt aufstellen zu müssen.


Ceduna / Port Augusta


Am nächsten Tag waren zwar immer noch Wolken am Himmel, aber glücklicherweise kam auch mal vereinzelt die Sonne raus. So brachen wir (auch aufgrund des frühen Sonnenaufgangs um halb fünf) vom Roadhouse auf, noch 650 km standen uns bevor. Nur wenige Kilometer nach unserer Unterkunft fuhren wir auf die Grenze von Western Australia nach South Australia zu. In der anderen Richtung gab es eine „Fruit Fly Inspection“, in unserer Richtung sollte das Ganze erst einen Kilometer vor Ceduna erfolgen. Ein Foto vom Ankunftsschild in South Australia, und weiter ging die Fahrt.

Sobald wir im neuen Bundestaat waren, wurde das Wetter schlagartig besser, zumindest bildeten wir uns das ein. Nur noch vereinzelt trafen wir auf weiße Wolken. Zum ersten Mal, auf dieser Straße, verlief dann die Route entlang der Küste. Hier fuhren wir auch zweimal an einem ausgeschilderten Lookout ab, um die Steilküste der „Great Australian Bight“, anzuschauen, ein wahrhaft erstaunlicher Anblick. Viele Meter stürzt die Küste zum Meer hinunter, soweit das Auge reicht. Dort, wo man selber steht, erstreckt sich eine komplett flache Ebene:

Eine klare Kante, hier endet der Kontinent Australien.


Der erste richtige Ort nach der baumlosen Ebene stellt Ceduna dar: Hier verbrachten wir nach der langen Fahrt zwei Nächte zum Entspannen. Besonders spektakulär ist der Ort nicht, er hat aber eine schön entspannte Atmosphäre und liegt am Meer, alles Faktoren die uns erstmal zum Bleiben bewegten.

Hinter dem Ort entschieden wir uns, entgegen unserer Pläne, gegen eine Fahrt entlang der Küste der Eyre Peninsula, wäre es für uns doch ein zu großer Umweg vor der Fahrt nach Osten gewesen. In Port Augusta endet der Eyre Highway und der Augusta Highway in Richtung Adelaide (sowie der Stuart Highway in Richtung Alice Springs und Darwin) beginnt. Wir verbrachten eine Nacht im relativ langweiligen Ort, mit nettem Blick auf die Bergkette der Flinders Ranges. Am nächsten Tag traten wir dann die letzten paar hundert Kilometer nach Adelaide an, unserer zweiten Großstadt in Australien, der Hauptstadt von South Australia.


 

Die Route:

Perth, Cape Naturaliste, Margaret River, Cape Leeuwin, Windy Harbour, Esperance, Nullabor Plain, Ceduna, Adelaide


 

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