Melbourne in intensiv: Erlebnisse aus der südlichsten Millionenstadt der Welt
- Pengwingstravel
- 11. Feb. 2018
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Juni 2018
Melbourne & Umgebung
28. Januar 2018 - 11. Februar 2018

Besuch von Zuhause
Auch die Woche in Foster zog schnell an uns vorbei und ehe wir es uns versahen, befanden wir uns bereits auf dem Weg nach Melbourne, genauer gesagt nach Craigieburn, wo wir mal wieder eine Unterkunft in einem Airbnb gebucht hatten. Bei Craigieburn handelt es sich um einen sehr neuen und gepflegten Vorort, von dem aus man mit Bus und Zug etwa eine Stunde bis in die Innenstadt Melbournes braucht.
Unsere Unterkunft stellte sich rasch als echter Knaller heraus: Wir hatten ein super Zimmer mit gemütlichem Bett, das Bad war sehr nett eingerichtet und das Wohnzimmer mit integrierter Küche ein Traum. Meine besonderen Highlights an diesem Haus waren außerdem die überdachte Terasse mit drei gemütlichen Sofas und die beiden Dackel des Hauses, die sich oft zu uns gesellten, wenn wir dort verweilten. Unsere Gastgeber, ein wirklich liebenswürdiges australisches Ehepaar, vermieteten noch zwei weitere Zimmer und so lernten wir während unserem 17-tägigen Aufenthalt noch ein deutsches Paar in unserem Alter kennen, das sich dauerhaft dort eingemietet hatte.
Als Besonderheit in dieser Zeit kam hinzu, dass wir Besuch erwarteten: meine Mutter hatte sich angekündigt und flog von Düsseldorf, über Abu Dhabi nach Melbourne, wo wir sie an einem Sonntagabend Ende Januar in Empfang nahmen. Der lange Flug hatte sie sehr geschlaucht, was der Wiedersehensfreude auf beiden Seiten allerdings keinen Abbruch tat. Da es schon gegen 19 Uhr und zudem ein, mit fast 40 Grad Celsius, sehr heißer Tag war, beschlossen wir, meine Mutter erst einmal ins Hotel zu fahren, wo sie sich ausschlafen und ausruhen könne. Die Fahrt vom Flughafen bis in die Innenstadt, wo ihr Hotel sehr schön zentral lag, war ein wenig nervenaufreibend, fließt der meiner Meinung nach unübersichtliche Stadtverkehr doch sehr zäh. Hinzu kommt, dass es in Melbourne auf Grund des Straßenbahnnetzes die Besonderheit gibt, dass das Rechtsabbiegen teilweise nur von der linken Fahrspur aus erlaubt ist, was einen recht skurrilen Anblick bietet.
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug in die Stadt, das ist dann doch ein wesentlich bequemerer und nervenschonenderer Weg zum Ziel zu kommen. Wir holten meine Mutter vom Hotel ab, die uns berichtete, dass sie trotz ungewohnter Umgebung hervorragend geschlafen hätte. Wir frühstückten gemeinsam in einem netten Café, in dem sonst fast nur Banker saßen und bekamen Kaffee, Sandwiches und Muffins serviert, die wir uns wegen der hohen Preise alleine nie gekauft hätten.
Anschließend ging es auf Entdeckungstour: Wir machten eine einstündige Flussfahrt auf dem Yarra-River, die sich meine Mutter gewünscht hatte.
Die Tour war entspannend und wir sahen vom Wasser aus die vielen Hochhäuser der Stadt
Außerdem lernten wir, dass der Name Yarra-River von der Aboriginal-Bezeichnung „Yarra Yarra“ abgeleitet wurde, was im Grunde einfach nur „fließendes Gewässer“ bedeutet. Nach der Tour liefen wir einfach ein wenig durch die Innenstadt und kamen an der Flinders Street Station, dem wichtigsten Bahnhof im Staat Victoria und dem nahegelegenen Federation Square vorbei. Meine Mutter begeisterte sich besonders für das, aus alten und modernen Gebäuden bestehendes Straßenbild und auch mir fiel auf, dass Melbourne tatsächlich einen ganz eigenen Charme besitzt.
In den zwei Wochen, die meine Mutter mit uns in Australien verbrachte, hatten wir jeden Tagen einen gut gefühlten „Terminkalender“, weshalb ich im Folgenden einzelne Highlights etwas separierter darstellen möchte.
Phillip Island
Natürlich wollten wir meiner Mutter nicht nur das Großstadtleben, sondern auch ein wenig die Umgebung Melbournes zeigen und so führte uns unser erster Ausflug nach Phillip Island. Etwa anderthalb Stunden fuhren wir von der Innenstadt auf die, durch eine Brücke mit dem Festland verbundene, Insel. Wir stärkten uns zunächst mit einem kleinen Imbiss, danach hatten wir den Besuch eines Wildlife Parks geplant.

Im Wildlife Park bezahlten wir pro Person 19 AUD Eintritt und waren sehr gespannt darauf, ob sich dieser hohe Preis auch wirklich lohnen würde. Jeder von uns bekam eine Tüte mit Tierfutter in die Hand gedrückt und den Tipp, dass wir den frei herumlaufenden Kängurus das Futter auf der flachen Hand reichen sollten. Der Park war zunächst ähnlich aufgebaut wie ein ganz normaler Zoo, es gab einige Gehege oder eingezäunte Flächen, in denen sich australische Tiere wie Emus, Koalas, Wallabies und verschiedene Papageien betrachten ließen. Zum ersten Mal überhaupt sah ich einen Koala, was uns in freier Wildbahn bisher leider noch nicht gelungen ist. Die putzigen Tiere verbringen den größten Teil des Tages schlafend und in der wachen Zeit essen sie – was für ein Leben.
Dann kamen wir allerdings in einen offenen Teil des Tierparks und plötzlich befanden wir uns in einer trockenen, wüstenhaften Umgebung mit nur wenigen Sträuchern und ein paar Wasserlöchern. Alleine blieben wir dort allerdings nicht lange, zwar war im Park angenehm wenig los, dafür hatten die tierischen Bewohner es auf das Futter in unseren Händen abgesehen. Schnell versammelten sich Hühnergänse, Schwäne, Blässhühner und auch ein paar Kängurus um uns herum.
Die Hühnergänse machten uns ein wenig Angst, sie grunzten wie Schweine und verfolgten uns schon fast ein wenig aggressiv. Dies hatte zur Folge, dass ich ihnen hastig Futter vor die Füße warf, sie dadurch ablenkte und wir schnell ein Stückchen weiter fliehen konnten. Die Kängurus dagegen waren zuckersüß, ganz zart und sachte nahmen sich meine Hand in ihre Pfoten und ließen sofort wieder los, als sie ihre Portion Futter aufgegessen hatten. Wirklich ein tolles und unvergessliches Erlebnis, das ich jedem Tierliebhaber empfehlen kann!

Nach dem Tierpark fuhren wir noch zu „The Nobbies“, einem Kap, von dem aus man eine wunderschöne Sicht auf den azurblauen Ozean erhalten kann. Außerdem sahen wir zwei Zwergpinguine, die dort in Höhlen wohnen, tagsüber meist im Meer jagen gehen und zu Dämmerungszeiten wieder in ihre Nester zurückkehren. Phillip Island ist unter anderem sehr für seine „Penguin Parade“ bekannt, die allerdings sehr kostspielig ist und wir uns nicht anschauen wollten. Nun freuten wir uns umso mehr, die kleinen Pinguine entdeckt zu haben, und das ohne auch nur einen Cent Eintritt bezahlt zu haben.
St. Kilda Market
Mit der Straßenbahn fuhren wir unkompliziert zum Badeort St. Kilda, der nur eine zwanzig-minütige Fahrt von Melbournes Innenstadt entfernt liegt. In einem der zahlreichen Strandrestaurants aßen wir überraschend gute Burger und genossen das typische Urlaubsgefühl, dass wir bisher so in Australien noch gar nicht verspürt hatten. Zwar gönnen Simon und ich uns zwischendurch auch mal ein Mittagessen außer Haus, doch wie mit meiner Mutter jeden Tag schön essen gehen, könnten wir uns als Backpacker einfach nicht auf Dauer leisten. Doch für sie ist es nun einmal der Jahresurlaub und nach drei Monaten, die wir uns schon nicht gesehen hatten, wollte sie uns gerne zum Essen einladen und ein wenig verwöhnen.
Natürlich sagten wir dazu nie nein und als Gegenleistung zeigten wir ja auch ein paar der schönsten Orte der Region. Den St. Kilda Market hatte sie sich selbst als Programmpunkt ausgesucht und so schlenderten wir nach dem Mittagessen an den vielen Ständen oberhalb des Strandes vorbei. Alles Mögliche wurde dort angeboten: Schmuck, Kleidung, Kunst und Krempel. Allerdings war nichts wirklich Besonderes dabei und so beschränkten wir uns auf das Gucken.

Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Strandspaziergang und liefen einen langen Holzsteg hinauf. Im Hintergrund sahen wir stetig die Hochhausfasssade Melbournes und das Wetter war auch auf unserer Seite. Insgesamt ist St. Kilda ein durchaus nettes Örtchen, wer allerdings einen speziellen Ort sucht, ohne Touristen, ist hier wahrscheinlich nicht richtig aufgehoben.
Mornington Peninsula
Da meine Mutter ihren Australienurlaub so gelegt hatte, dass sie mitten drin Geburtstag hatte, dachten wir uns für ihren Ehrentag natürlich einen besonderen Ausflug aus. Auf der Mornington-Peninsula waren Simon und ich ja bereits bei unserem letzten Aufenthalt in Melbourne (siehe Artikel) und so zeigten wir meiner Mutter zunächst den wunderschönen Ort Mornington und anschließend den Arthurs Seat mit seiner spektakulären Aussicht.
Zur Stärkung aßen wir in einem italienischen Restaurant in der übersichtlichen Fußgängerzone Morningtons die wohl besten Pizzen des Landes und zur absoluten Krönung gab es sogar noch eine dicke Kugel köstliche Eiscreme aus der örtlichen Eisdiele.
Bei unserem letzten Besuch ließ das Wetter dort oben ein wenig zu wünschen übrig, dieses Mal strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel und ließ die Bucht unter uns in den tollsten türkis-Tönen glänzen.
Anschließend machten wir einen kleinen Spaziergang bei den King Falls, einem kleinen, leider ausgetrockneten Wasserfall. Trotzdem gehört dieser kurze und leicht zu bewältigende Pfad durch einen ruhigen Wald definitiv zu der Liste der tollen kurzen Wanderungen, da die Umgebung wirklich schön ist.

Zum Abschluss fuhren wir wieder zum Cape Schank, das es auch dieses Mal wieder schaffte, uns auf Grund seiner Schönheit zu beeindrucken. Auch für uns war es toll, diesen Ort noch einmal bei Sonnenschein zu erleben, denn das Meer wirkte einfach direkt ganz anders und die Farben erschienen intensiver. Für meine Mutter war es wohl auch einer der außergewöhnlichsten Geburtstage, wer feiert denn schon mal so eben in Australien?!
Yarra-Ranges & Steavenson Falls
Auch diesen Ausflug unternahmen wir damit zum zweiten Mal, aber schließlich wollten wir meiner Mutter die tolle Farnlandschaft und die beeindruckend hohen Wasserfälle in der Nähe von Marysville nicht vorenthalten. In Marysville selbst fanden wir ein schönes kleines Café, in dem es selbstgebackenen Kuchen und andere Leckereien gab.
Obwohl wir die urzeitlichen Farne ja bereits beim letzten Mal auf der Fahrt bewunderten, gerieten wir auch bei diesem Ausflug wieder ins Staunen darüber, wie skurril und ungewohnt diese Landschaft doch aussieht. Meine Mutter, die so etwas in ihrem Leben zuvor noch nie gesehen hatte, war ebenfalls total begeistert und wir verbrachten wieder einen schönen Tag zusammen.
Generell war es ganz schön, nach drei Monaten mal wieder Zeit miteinander zu verbringen und auch der längere Aufenthalt in Craigieburn tat uns ganz gut. Wenn wir morgens mit dem Zug in die Stadt fuhren, fühlte es sich schon fast wie eine Art Alltag an, da wir nicht, wie zuvor, nur eine kurze Zeit an einem Ort verbrachten, sondern immer wieder dorthin zurückkehrten. In Melbourne kannten wir uns langsam schon ganz gut aus und natürlich war es auch ein schönes Gefühl, meiner Mutter zeigen zu können, was genau uns so an Australien fasziniert.
Triennial Exhibition in der National Gallery of Victoria
In den australischen Großstädten gibt es immer wieder kostenlose Ausstellung zu verschiedenen Themen. In Perth besuchten wir am Ende unserer ersten Woche in Australien beispielsweise eine Fotoausstellung über das Leben von Heath Ledger. Hier in Melbourne wollten wir uns die Kunstausstellung Triennial auf keinen Fall entgehen lassen, schließlich stellten über 100 Künstler aus 32 Ländern ihre Werke auf mehreren Etagen der National Gallery aus. Wir konnten, ohne Eintritt zu bezahlen, unzählige Bilder, Skulpturen, Designs und Rauminstallationen betrachten und wanderten staunend durch die beeindruckend große Ausstellung.

In Erinnerung blieben mir unter anderem die Skulptur eines riesigen, liegenden Buddhas in der Eingangshalle, ein Raum voller Totenköpfe, die gestapelt auf einem Haufen lagen, die extravaganten Roben und Kleider, denen ein eigener Raum gewidmet wurde und eine Wand, welche übersät mit Gemälden war.
Ich denke, dass die Triennial Exhibition besonders Kunstinteressierte ansprechen wird, aber auch für den „normalen“ Reisenden interessant sein sollte. Würde man jedes Kunstwerk intensiv betrachten, könnte man sicher einige Stunden, wenn nicht sogar Tage in der Ausstellung verbringen, weshalb es umso praktischer ist, dass sie kostenlos ist. So entscheiden sich vielleicht auch Leute dafür, die Ausstellung zu besuchen, die dafür nichts hätten ausgeben wollen – wenn das nicht der beste Weg ist, Kunst und Kultur zu den Menschen zu bringen. Auch wir verbrachten einige Zeit im Gebäude, wobei wir manchen Installationen mehr und anderen weniger Aufmerksamkeit schenkten.
Sea Life Aquarium
Das Sea Life befindet sich zentral am Yarra River und war von der Innenstadt aus einfach und schnell zu Fuß zu erreichen. Bereits eine Woche vor unserem Besuch im Aquarium buchte ich unsere drei Karten im Internet und sparte so ganze 30 AUD! Eine am Schalter gekaufte Karte kostet bis zu 42 AUD, weshalb es sich bei dem hohen Preis allemal lohnt, Karten vorzubuchen.
Im Sea Life selbst wurde uns dann aber glücklicherweise auch einiges für das Geld geboten, es gab sehr viele schöne, kleine Becken mit Clownfischen, Muränen und Seepferdchen und ein wirklich sehr großes, tunnelartiges Aquarium. Im Tunnel schwebten bis zu zwei Meter große Rochen über unsere Köpfe und wir sahen mehrere Haie.
Es war total entspannend, sich ein wenig hinzusetzen und den prachtvollen Tieren beim Dahingleiten zuzusehen
Wirklich toll war außerdem eine Mini-Nachbildung des Great Barrier Reefs, in dem die buntesten Korallen standen, die ich je gesehen habe.
Neben den Aquarien gab es auch einen Terrarienbereich mit Schlangen, Fröschen, Echsen und einem echten australischen „Salty“, einem mehrere Meter großen Salzwasserkrokodil. Seine Reptilenaugen starrten uns unheimlich an und wir zogen schnell an diesem Bereich vorbei, fanden wir das Tier doch eher weniger attraktiv.
Viel niedlicher waren dagegen die Pinguine, die ihren eigenen Bereich hatten und fröhlich im Wasser planschten, gierig nach Futter schnappten und tollpatschig über das Eis rutschten. Diesen lustigen Gesellen hätten wir stundenlang zugucken können und sie bildeten den krönenden Abschluss unseres erfolgreichen Sea Life Besuchs.
Kinglake National Park
Unser letzter Ausflug außerhalb Melbournes führte uns in den Kinglake National Park. Wir wussten nicht genau, was uns erwarten würde und welches Potenzial dieser Park hätte, doch wir wollten meiner Mutter vor ihrer nahenden Abreise einfach noch einmal ein wenig Landschaft bieten. Also fuhren wir zum Park und wurden positiv überrascht: durch einen typisch australischen Wald mit hohen Eukalyptusbäumen und Farnen, gingen wir einen kurzen, gut ausgebauten Weg zu den Mason Falls. Diese hatten sogar eine recht beachtliche Höhe und stürzten spektakulär in das, sich unter uns befindende, Tal hinab.

Im Park hätte es noch mehrere Wanderwege gegeben, wir beschränkten uns jedoch darauf, zu den Wasserfällen und zu gehen und auf etwas anderem Wege, an einem Fluss entlang, wieder zum Auto zurück zu kehren. Praktischerweise konnten wir die Matratze und unsere Boxen in der Zeit, in der wir meine Mutter in unserem Auto mitnahmen, in unserer Unterkunft in Craigieburn verstauen und mussten uns so keinen Mietwagen nehmen. Unsere Konstruktion, die ich im Artikel über die Reisevorbereitungen genauer beschrieben habe, erweist sich also mal wieder als ebenso einfach wie genial.
Fazit zu Melbourne und Umbegung
Sowohl uns, als auch meiner Mutter hat der längere Aufenthalt in Melbourne ziemlich gut gefallen, die Stadt an der Süd-Ostküste hat einfach ihren eigenen Charakter und ihr eigenes Gefühl, was wir wohl ewig mit dieser Metropole verbinden werden. Für uns ist der, auf den ersten Blick vielleicht ein wenig unscheinbare Vorort Craigieburn schon ein wenig zu einem zweiten Zuhause geworden und wir freuen uns darauf, wenn wir nach unserer Reise nach Tasmanien wieder zurückkommen werden. Auch die Umgebung von Melbourne überzeugt durch ihre Vielfältigkeit und Schönheit und wer einen Städtetrip mit Natur verbinden möchte, ist hier meiner Meinung nach genau richtig aufgehoben.
Nächster Blogeintrag: Tasmanien 1: Arbeiten auf einer Himbeerfarm und Ausflüge zu spektakulären Nationalparks
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