Durch das Inland von Australiens Südosten: Tage in Adelaide, Arbeit in sengender Hitze und spontan n
- Simon
- 9. Dez. 2017
- 7 Min. Lesezeit
Von Adelaide nach Melbourne
25. November 2017 bis 10. Dezember 2017

Adelaide
Nach endloser Fahrerei über leere Straßen durch noch leerere Landstriche erschlug uns Adelaide schon vom Highway aus: die Straßen werden mehrspurig und die Richtungen durch Grünflächen getrennt, Autos über Autos nach an einer Hand abzählbarer als Stadt zu bezeichneten Orten.

Vom Norden kommend geht es einmal auf die andere Seite der Stadt zum Brownhill Creek Caravan Park. Adelaide hat nur als Ein- bzw. Ausfahrtstraßen autobahnähnliche Highways, von daher brauchten wir eine gefühlte Ewigkeit durch den Stadtverkehr, bis wir unser Ziel erreichten. Geplant war nur ein Tag in der City und ein weiterer im Umland, da wir wussten, dass wir nochmal dorthin kommen würden, und wir ein paar Tage später einen Job in Red Cliffs in Aussicht hatten. Es wurde schön gekocht und den milden Abend in den Adelaide Hills genossen, bevor wir dann am nächsten Tag den Bus in die City nehmen wollten.
Ein paar hundert Meter von unserem Campingplatz entfernt fuhr dieser ab und brachte uns in die Nähe vom „Victoria Square“, dem zentralen Platz in der City of Adelaide. Wir haben wie in Perth wieder einmal nicht wirklich informiert, was man in der Stadt unternehmen kann, und so liefen wir erneut mehr oder weniger planlos durch die Innenstadt, durch die Fußgängerzonen, Hauptstraßen und Gewerbegebiete. Obwohl Adelaide offensichtlich unspektakulärer als Sydney oder Melbourne ist, waren wir weder von der City noch den Wohngebieten abgeturnt, alles war erstaunlich grün und lebendig, aber nicht zu vollgepackt. Wir wissen immer noch nicht, was die typischen Sehenswürdigkeit der Stadt sind (wenn es denn diese gibt), wir hatten aber dennoch einen überaus netten Eindruck unserer zweiten australischen Großstadt.
Victor Harbour / Fleurieu Peninsula
Am zweiten Tag unseres Adelaide-Aufenthalts erkundeten wir die nahegelegende „Fleurieu Peninsula“, wenn auch die „Granite Island“ vor der Küste von Victor Harbour am ausführlichsten. Aufgrund von Regenschauern über Adelaide entschieden wir uns für diesen Tagesausflug über den Bergkamm, hinaus aus den Wolken, nach Victor Harbour. Die Stadt selber ist schon lange ausgeschildert, ist sie doch die größte in der Region. Wir jedoch erkundeten einen relativ ruhigen Ort, nett am Meer gelegen wo wir auf einer Parkbank am Strand unser Frühstück einnahmen.

Beschildert war die Granite Island, wir gingen dorthin, wo die Schilder uns leiteten, und wir fanden einen breiten Holzsteg vor, der die Insel mit dem Festland verbindet. Zur Insel kann man – wenn man möchte – auf einer Pferdekutsche über Schienen zum Ziel gezogen werden, natürlich für nur schlappe $30. Wir liefen also natürlich hinüber, und befanden uns in einem Naturschutzgebiet auf der viele Vögel nisten. Ein Wander- bzw. Spazierweg erschloss die Insel einmal außenherum entlang der Küste, auf und ab vorbei an Sandstränden und Steilklippen wo die Wellen tosend an Land branden. Insgesamt waren wir wohl ungefähr zwei Stunden auf Granite Island, davon haben wir uns allein eine angenehme Stunde Zeit für den überaus reizenden und nicht anspruchsvoll zu laufenden Weg genommen.
Um nach Mittag noch etwas mehr aus dem Tagesausflug herauszuholen, wollten wir auf die Adelaide-Seite der Küste fahren, um dort auch diverse Strände oder Küstenorte zu besichtigen. Zuerst versuchten wir es an der „Lady Bay“, die auf Karten nett vermuten lässt, dass sich hier ein kleiner Ort direkt an der Küste befindet. Vor Ort parkten wir am Strand an der einzigen Straße, die die 10-Häuser-Siedlung mit dem Highway verbindet: Nur ein paar Schritte später durften wir den wohl hässlichsten Strand unserer Australien-Reise bestaunen – bewölkt, überall Algen verteilt, es, naja, roch leicht verderblich – wir beschlossen den Anblick nicht weiter Beachtung zu schenken und kehrten um.
Danach hatten wir keinen richtigen Plan, außer dann doch einen wenigstens halbwegs netten Abschnitt Strand zu finden, was uns dann schlussendlich am „Aldinga Beach“ gelang. Hier konnten wir mit dem Auto auf dem riesig breiten Sandstrand umher fahren, und die Füße ein bisschen in die kalten Wellen tauchen. Nun machte uns das dann doch heranziehende schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung, als dass wir bei der Weiterfahrt von Schauer zu Schauer fuhren, und wir uns letztendlich für den Heimweg entschieden.

Barmera/Lake Bonney Riverland
Auf dem Weg nach Mildura entlang des Stuart Highway legten wir einen Zwischenstopp nahe der etwas größeren Stadt Barmera ein, es ging zu einem Campingplatz am Lake Bonney Riverland. Sobald wir den Highway verließen, holte uns die Einsamkeit wieder ein, einzelne Briefkästen mit Schotterpisten dahinter waren die einzigen Zeichen von Zivilisation, bis wir unser Quartier für den Abend fanden
Direkt am See gelegen und nicht mit vielen weiteren Reisenden, liefen wir bei Windstille am Süßwassersee entlang: gespickt mit skelettartigen Baumüberresten bot er bei der untergehenden Abendsonne mit seiner spiegelglatten Oberfläche ein schönes Fotomotiv. Nach dem Abendessen wurde diese Stille dann von plötzlichen Windböen gebrochen, es wurde Zeit zum Schlafen, waren wir doch eingedeckt in völlige Dunkelheit, da die Lichtanlagen des Campingplatzes ausgefallen zu sein schienen.

Mildura/Red Cliffs
Die Aussicht auf Arbeit auf einem Weingut führte uns in den trockenen Nordwesten von Victoria in die Nähe von Mildura. Spontan auf einer Backpacker-Job-Anzeigen-Seite in Port Augusta gefunden und beworben, befanden wir uns fünf Tage später morgens um sieben vor den Türen zum Office der Farm, um mit unserem erstem ersten Farmjob zu beginnen.
Ein erfahrenerer Australier wartete mit uns, bis sich herausstellte, dass wir an der falschen Stelle warteten – auch am dann „richtigen“ Office warteten wir noch ganze eineinhalb Stunden, bis sich unser Supervisor um neun Uhr vorstellte. Es ging um „Bunch Trimming“, das Abschneiden des untersten Teils des Weinbundes, damit es nachher besser zum Verzehr wächst. Nicht wirklich spannend, aber auf „Pick Rate“ bezahlt, was uns bei dieser Arbeit zugutekam, da wir relativ schnell vorankamen, und damit umgerechnet auf über $30 kamen.
Diese Arbeit sollten wir für etwa eineinhalb Wochen machen, von der aber viele Tage durch die Mittagshitze kurz ausfielen: über 35°C um elf Uhr, weswegen wir teilweise um sechs anfingen, um doch etwas zu schaffen. Nach der Zeit wechselte der Job, da alle Felder fertig waren, und wechselte zum „Leaf Plucking“, was das Abzupfen von Blättern um die Bunde herum beschreibt. Auch auf Pick Rate bezahlt, wir kamen weniger als halb so schnell voran, somit verließen wir die Farm nach etwa zwei Wochen Arbeit – es war ja ohnehin erst später geplant.
Melbourne
Nach der Arbeit hatten wir das Ziel australische Alpen, auf dem Weg nach Sydney an Silvester. Der Sturt Highway von Mildura wäre der kürzeste Weg zur Stadt am Pazifik, wir mussten aber noch ein ganzes Stück nach Süden, um zum „Alpine National Park“ in Victoria zu kommen.

Von Red Cliffs aus ging es dann an einem Tag zum 450 km entfernten Shepparton, um einen Campingplatz für die Nacht zu finden. Wir wollten am nächsten Tag weiter nach Bright, unserem Ziel im National Park, auf den ersten Metern auf dem Weg dorthin sahen wir, noch in Shepparton, das Schild. „Melbourne 177 km“. Wir hatten keinerlei Zeitdruck, wahrscheinlich sogar zu viel Zeit, und so entschieden wir uns für einen kleinen vorzeitigen Besuch in der Hauptstadt von Victoria.
Über den Hume Highway, der Melbourne und Sydney mit nur 880 km verbindet, befuhren wir die ersten 100 km unseres Weges, danach ging es durch Wälder und Felder über Landstraßen, um Staus und Maut der Umgehungsstraßen zu vermeiden. Autos über Autos, vierspurige Straßen begrüßten uns über weite Teile der Fahrt in einen südlichen Vorort der Stadt. Das erste Mal in unserer Reise war ein Campingplatz voll, auf dem zweiten bekamen wir den letzten Restplatz vor der Tür zur Küche – Willkommen in Melbourne.
Da es erst Mittag war, wollten wir natürlich schon an dem Tag die Stadt erkunden, war das Wetter an diesem Tag auch schön warm und sonnig. Im Campingplatz-Office nachgefragt, nahmen wir den Bus ein paar hundert Meter vom Tor entfernt in Richtung Springvale Station, um dort in den Zug in die City zu steigen. In Springvale angekommen, sollten wir mitkriegen, dass der Schienenverkehr bis genau zu unserem Abfahrtstag gestrichen war: Ersatzbusse brachten uns etwas weiter Richtung Stadtmitte, zur nächsten befahrenen Zugstation. Insgesamt brauchten wir etwas mehr als eine Stunde bis wir „Melbourne Central“ erreichten.

Von hier aus liefen wir die „Elisabeth Street“, die größte Straße in Nord-Süd-Richtung in der City hinunter, links und rechts waren wir von Hochhäusern, Restaurants und Einkaufsstraßen umgeben. In der Straßenmitte fuhren die kostenlosen Trams, die noch an das letzte Jahrhundert erinnern, ihre Runden. Mal wieder hatten wir kein richtiges Ziel, wussten nur, dass die Stadt in ihrem Zentrum vom Yarra River durchkreuzt wird, und schlugen dementsprechend die Richtung ein.
Am Fluss selber erscheinen die Wolkenkratzer noch einmal beeindruckender, konnte man sie hier in ihren vollen Ausmaßen erkennen. Unser Weg führte uns über die „Southbank Pedestrian Bridge“ ins gleichnamige Stadtviertel am Südufer des Yarra River, ein Café am Brückenpfeiler der Brücke, diverse Straßenkünstler und teuer erscheinende Straßenrestaurants erwarteten uns hier. Hin und zurück ging es auf dieser Seite des Flusses, wir ließen einfach nur das Stadtpanorama der südlichsten Millionenstadt der Welt auf uns wirken.
Zuletzt gingen wir wieder auf die andere Seite, um zum „Federation Square“ zu gelangen. Der wohl berühmteste und zugleich zentralste Platz der Stadt befindet sich inmitten von Hochhäusern, der bekannten „Flinders Street Station“ und neben der „St. Pauls Catherdral“, einem der Wahrzeichen der Stadt. Hier verließen wir die Innenstadt von Melbourne über die nahgelegene Zugstation mit überaus positiven Eindrücken und freuten uns auf die Wochen, die wir noch in der Stadt eingeplant haben.
Mornington Peninsula

Wir hatten zwei Nächte auf dem Campingplatz gebucht, spontan entschieden wir uns am zweiten Tag dagegen, noch einmal in die Stadt zu fahren, sondern stattdessen die „Mornington Peninsula“ am östlichen Ende der „Port Phillip Bay“ zu besichtigen.
Wir starteten beim „Arthur’s Seat“ einem Berg relativ nah an der Küste, von dem man nach einer kurvenreichen Auffahrt einen fantastischen Blick auf die Meeresbucht mit den an ihr verteilten Küstenorten hat. Türkisblaues Wasser präsentier-te sich unter einem leider bewölkten Himmel, hier werden wir auf jeden Fall noch einmal auf unserem Rückweg bei dann hoffentlich schönem Wetter vorbeischauen. Auch die Skyline von Melbourne konnte man, wenn man wusste wo sie war, erahnen.
Die Spitze der Halbinsel bei Portsea stellt die einzige Meeresöffnung zur Port Phillip Bay von nur wenigen Kilometern dar: Das Kapp lässt sich über einen etwa zweistündigen Wanderweg erlaufen, wozu uns das Wetter allerdings zu kühl war. Der naheliegende Strand am „London Beach Lookout“ war zwar an sich nett – hier befanden wir uns das erste Mal seit langem wieder am offenen Meer – aber doch irgendwie unspektakulär und doch relativ abgelegen, nett halt, aber mehr auch nicht.
Als letztes großes Ziel haben wir uns das „Cape Schank“ gemerkt, was sich im

Nachhinein als absolutes Highlight dieses Tagesausflugs herausstellte, ein Punkt, der bei bewölkten Wetter bedrohlich wirkt, wir uns aber auch natürlich bei Sonnenschein wunderschön vorstellen, ein typischer Kandidat für eine spätere Wiederkehr also. Eine kleine Halbinsel mit windumtos-ten Steilklippen, schwarzen Steinstränden und tosenden Wellen – wieder einmal ein Foto-Paradies. Vom großen Felsen in der Mitte ging es links und rechts auf beiden Seiten hinunter zum Strand, einzelne Steinformationen stechen noch aus den Wellen heraus, sind Felssäulen stehen über den Steinen an der Küste. Das Meer braust gegen die Klippen, Pools bilden sich bis zur nächsten Welle. Ein Meeresspektakel an den Toren des Pazifischen Ozeans.
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