Schweden in Kurzform: Stadt-Land-Fluss
- Pengwingstravel
- 10. Juni 2017
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Apr. 2018
Tag 13: 9. Juni 2017: Svolvær - Abisko
Die Hälfte unserer Reise war erreicht: Zwar haben wir bis auf die Lofoten 13 Tage gebraucht, für die Rückreise aber nur 4 eingeplant; trotzdem: ab dort ging es wieder zurück, die Hauptrichtung wechselte von Norden auf Süden. Zumindest nach einer letzten Pause im hohen Norden, um diese gänzlich andere Natur noch einmal auf sich wirken zu lassen, und nicht zu hastig wieder zu verschwinden und zu plötzlich im Gewusel einer Großstadt herumzustolzieren.
Nach Svolvær ging's dann direkt weiter, nun hieß das Ziel aber Schweden. Da der Abisko-Nationalpark unmittelbar an der Erzbahn Narvik-Kiruna liegt, eignete er sich für uns perfekt, um ohne zu großen Aufwand schnell noch eine andere nordische Region kennenlernen kann.
Mit dem Bus ging es los von Svolvær nach Narvik, dem nördlichsten norwegischen Bahnhof (der jedoch nur eine Verbindung nach Osten nach Schweden hat), um von dort weiter nach Abisko zu kommen. Erneut war die Busfahrt landschaftlich wunderschön und total entspannt: Wir haben uns vorher schon Sorgen gemacht, ob die knapp 1 1/2 Stunden Pause zwischen Bus und Zug genug sein werden, im Endeffekt waren wir 5 Minuten früher da als gedacht. Narvik selbst hat als Industrie-Hafen-Stadt nicht viel zu bieten (außer die sich gerade im Bau befindliche Brücke von Narvik-Nord direkt nach Øyjord, was den Autofahrern den Schlenker um den Fjord spart, super, nicht wahr?), daher gingen wir direkt zum Bahnhof, um dort auf den Zug zu warten.

Nicht nur wir hatten diese Idee, auch etwa 30 Inder (ja, zumindest lässt es ihr Aussehen und die Sprache darauf schließen) taten es uns gleich, bzw. hatten schon alle Plätze belegt, als wir das Gebäude betraten - es war also redlich voll an einem Bahnhof, an dem einmal am Tag ein Zug ankommt und abfährt.
Nach wirklich atemberaubenden 1 1/2 Stunden Fahrt auf dem Bergrücken entlang eines Fjords mit Gletschern im Hintergrund, erreichten wir am Nachmittag das Örtchen Abisko am gleichnamigen Nationalpark.
Erstaunlich nett war es dort, mehrere kleine Häuschen, genauso rot wie in Norwegen, aber irgendwie hat man sich nicht total verloren gefühlt, was sehr angenehm war.
Untergekommen sind wir in der wohl einzigen Herberge des Ortes, einem mittelgroßen, modernen, ausnahmsweise mal gelben Holzhäuschen, in unmittelbarer Nähe hatten wir einen erstaunlich großen Supermarkt. Eine optimale Ausgangslage also.
War es aber doch schon relativ spät (etwa 18 Uhr) und wir in dem Ort Abisko, welcher ca. 1,5 km von dem Eingang zum Nationalpark entfernt ist, lohnt es sich nicht mehr, an dem Tag dort hinzugehen. Stattdessen beschlossen wir, etwa 5 Minuten zum Ufer des Torneträsk zu gehen, um den Tag zu abzuschließen. Der See war zumindest am Ufer immernoch(!) zugefroren, aufgrund des stärkeren Windes schwammen uns einzelne Eisschollen entgegen.

Wieder oben, beschlossen wir, wohlgemerkt das erste Mal auf der Reise, die Gemeinschaftsküche zu benutzen, und Nudeln mit irgendwas zu kochen (Zu unserer Verteidigung muss man sagen, dass wir vorher auch nur in Bergen und Å die Möglichkeit gehabt hätten!). Das irgendwas zu den Nudeln entpuppte sich als Tomatensoße mit Oliven, angesichts der geografischen Abgeschiedenheit des Ortes konnte man sich nicht beschweren: Es schmeckte gut!
Da wir ja bald die Regionen jenseits des Polarkreises verlassen sollten, wagten wir erneut den Schritt nach draußen, dieses Mal um halb 12, nachts natürlich, die Sonne schien, Mitternachtssonne undso. Die Helligkeit kannten wir ja schon von den Lofoten, da das Gebiet um Abisko nicht allzu große Terrain-Unterschiede im näheren Umfeld aufweist, hatten wir wunderbare Sicht auf die (nicht ganz) untergehende Sonne. Wohl so um viertel nach 12 blieb sie kurz über einem Berggipfel hängen, und begann dann langsam wieder ihren Weg nach oben. Natürlich wurden einige Fotos gemacht, das Mitternachtslicht in Kombination mit dem jetzt spiegelglatten See und den Eisschollen gab dann doch eine echt gelungene Komposition ab (Achtung: Eigenlob!).
Tag 14 - 10. Juni 2017: Abisko
Der ganze Tag im nordschwedischen Abisko fing zu gemäßigter Uhrzeit um ca. halb neun an, gefrühstückt wurde: natürlich, Toast mit Käse, und sogar etwas Joghurt! Nach gemütlichen Fertigmachen schlenderten wir (bei übrigens wieder strahlendem Sonnenschein, 14° und blauer Himmel, wohl einer der wärmsten Tage im Jahr!) entlang der auf einem Seitenweg parallel zur E10 - der Hauptverbindung von Narvik nach Kiruna und zur Ostsee - in Richtung Absiko Nationalpark.
Ein nettes, kleines Visitor-Centre informiert die Besucher über die Flora und Fauna des Parks, wir sind aber wohl zu früh oder so spät da, um die Winter- und Sommerbeschreibungen des Schildes zu sehen.

Rein in den Nationalpark, sofort auf einen sehr netten Wanderweg - schmal, kurvig und mitsamt Wurzeln - etwas bergab in Richtung Fluss, in Richtung Abiskojåkka. Wir hören ihn schon bevor wir ihn sehen, als reißendes Gewässer erscheint er einem kurz vor seiner Mündung im Torneträsk.
Zwischen steilen Felswänden bahnt der Fluss sich seinen Weg, bis er unmittelbar vor seinem Ende in einen steilen Steintunnel stürzt.
Klingt spektakulär, war es auch, hier verbrachten wir die meiste Zeit, wohl mehrere Stunden. Ein paar Fotos hier, ein paar Fotos dort, einfach mal kurz hinsetzten und genießen. Die Sonne schien und beleuchtet den kleinen Birkenwald, in dem wir uns befinden, dieser Moment ist eines Abschlusses jenseits des Polarkreises definitiv würdig.

Nach einiger Zeit beschließen wir dann, den Kungsleden, einen ca. 440 Fernwanderweg, der in Absiko-Turiststation beginnt, weiterzulaufen. So formuliert klingt es wohl spannender, als dass wir einige Zeit entlang des Flusses über Stock und Stein, und vor allen Dingen Matsch laufen, den Fluss im Hintergrund hinter zahlreichen Bäumen, verhältnismäßig ruhig zu seiner Mündung, quasi nur ein Schatten seiner selbst. Naja, aus genannten Gründen, und Wanderern, die uns entgegenkamen, die meinten, dass der Weg wohl so bliebe, kehrten wir um, machten noch ein paar Fotos am Felstunnel des Tunnels und machten und dann gemütlich auf den Heimweg.
Den restlichen Tag ab dem Nachmittag verbrachten wir erst lesend im Bett, und dann nachher abends wieder unten am See, um wohl endgültig dem hohen Norden Lebewohl zu sagen.
Tag 15 - 11. Juni 2017: Abisko - Boden - Stockholm
Der zweite Nachtzug der Reise beginnt relativ früh: um 12:35 fährt der einzige Zug am Tag in Abisko ein, in Richtung Boden. Natürlich ist das noch nicht unser Nachtzug, nehmen wir aber doch diesen Zug, um dann über Nacht von Boden nach Stockholm zu fahren.
Bis zum späten Nachmittag saßen wir also im Zug nach Boden, quer durch den Norden Lapplands, vorbei an eisiger Natur und bewaldeten Hochebenen bei strahlendem Sonnenschein.
20 1/2 Stunden bis wir am nächsten Tag in Stockholm einfahren werden, aber die beste Möglichkeit, die Reise sowohl effizient als auch erträglich zu gestalten.
Ein wenig Warten gab es in Boden, das obligatorische Käsebrot, und ab in den ersten Nachtzug mit Schlafwagen (in Norwegen haben wir es zeitlich etwas vermasselt den Platz zu buchen...).

In einem 6-er Abteil untergekommen, mit einem netten schwedischen "Business-man", der am Anfang da war und dann erst nachts um 2 wiederkam, und einem Mädchen, was am Anfang in ihrem Bett verschwunden ist und am Morgen schon ausgestiegen war (das andere Bett war leer).
Somit haben wir von der Fahrt entlang der schwedischen Ostseeküste herzlich wenig mitbekommen, allein die Einfahrt nach Stockholm haben wir stehend im Gang "genossen". 09:12 Uhr, angekommen im letzten Etappenziel.
Tag 16 - 12. Juni 2017: Stockholm
Das letzte Ziel der Reise, aber da noch einmal richtig Stadt: Schwedens Hauptstadt und Umgebung, "Groß-Stockholm", ist nicht nur politisches und kulturelles Zentrum des Landes, sondern mit mehr als 2 Millionen Einwohnern die größte Stadt Skandinaviens.
Wir gingen unterirdisch vom Hauptbahnhof zur dazugehörigen U-Bahn-Station (ja, so etwas gibt es, Koppenhagen!), kauften mehr oder weniger umständlich zwei Tickets, und ab ging's zur Station "Zinkensdam" auf der anderen Seite des "Riddarfjärden", jener Bucht, die Nord- und Süd Stockholm trennt, mittendrin liegt "Gamla Stan", Stockholms Altstadt. Von der Station aus waren es nur noch einige hundert Meter zu dem wohl merkwürdigsten Hostel der Reise, pünktlich kurz vor Schluss.
Einen schmalen Seiteneingang rein, eine kurze Treppe hoch, drin ist man im Empfangsgang, hinten in der Ecke ein kleine Glaskasten als Rezeption, geschlossen. Wir fragten die anderen Touris, die auf diversen Sofas saßen, "ihr müsstet eine Mail bekommen haben, da sind die Daten für das Zimmer. Bezahlt habt ihr doch sowieso schon." Stimmt, das hatten wir im Vorhinein, eine Mail gab es tatsächlich auch, Zimmernummer und Code inklusive. Also stellten wir unsere Sachen ab, und nix wie weg.

Dieses Mal zu Fuß (um Geld zu sparen, und natürlich auch, um die Stadt zu erleben; unter der Erde geht das bekanntlich schlecht) wieder in Richtung Bucht. Es ging etwas bergauf, bis zum "Skinnarviksberget", einem Hügel, von dem wir später erst herausfanden, dass es ein offizieller Aussichtspunkt ist. Das man von dort aus einen schönen Blick hat, fanden wir aber schon davor ganz alleine heraus, Panoramablick über die Altstadt und Stockholm-Nord beim Mittagessen eines (belegten!) Sandwichs.
Zu Fuß entlang der "Centralbron", der zentralen Durchfahrtstraße ging es dann in die Altstadt, von der wir keine Erwartungen hatten, aber sämtliche Erwartungen übertreffen sollte.
Italienisch wirkende Gebäude: gelb gestrichen, 3-stöckig, unten Souvenirläden und Pizzerien
Das ganze bei ein paar Grad wärmer und plus ein paar wild gestikulierende Menschen, und man hätte sich einbilden können, in einem kleinen Örtchen in eben jenen Mittelmeerland zu sein. Es geht etwas auf und ab, kleine Straßen und schmale Gassen (die "Gränds") wechseln sich ab, das große Ganze ist hier Sehenswürdigkeit.
Wir entschlossen uns, zum Abschluss noch einmal ins Restaurant zu gehen (preislich unterscheiden sich Norwegen und Schweden zumindest in Sache Restaurant nicht besonders), zwei verschiedene Portionen Pasta dürfen wir uns am Nachmittag in Stockholms Gamla Stan teilen.
Nach dem Gaumenschmauß machen wir es uns auf der anderen Seite der Gamla Stan U-Bahn-Station am Ufer auf einer Bank bequem, genießen das Rauschen der Wellen und, wie sich herausstellen sollte, für's erste die letzten Sonnenstrahlen.

Schon in Richtung Hostel holten wir uns noch ein Eis auf die Hand, so weit im Süden, wollten wir uns das mal gönnen. Wir hatten gerade aufgegessen, als es dunkel wurde und es kräftig zu schütten begann. Wir suchten Zuflucht in einem nahegelegenen Supermarkt, sahen nur, wie die Menschen draußen mit den Händen über dem Kopf das Weite suchten. Es bildeten sich kleine Flüsse auf dem Kopfsteinpflaster, Blitz und Donner wechselten sich schnell ab, wir erlebten da ein richtiges Sommergewitter in Skandinavien (so etwas soll es auch geben). So schnell wie es gekommen war, war es nach etwa einer Viertelstunde auch wieder weg, somit war der Rückweg offen.
Auf eben jenem zurück zum Hostel, entlang der Uferstraße auf unserer Seite der Bucht - der "Söder Mälarstrand" - begegnen wir zahlreichen Läufern, die uns sprintend entgegenkommen, eine Person abklatschen, die uns dann keuchend linkerhand überholt. Wir wissen immer noch nicht, ob es sich dabei um eine Art Wettbewerb, oder einfach nur um ein freundschaftliches Ereignis handelte, es war aber so oder so interessant, wieder einmal spontan eine solche Aktion zu sehen.
Im leichten Abendlicht liefen wir dann durch unseren Stadtteil, die Straßen noch leicht nass von dem vorhergegangenen Regenguss, in Kombination mit den noch leicht dunklen Wolken im Hintergrund bildete sich noch einmal eine schöne Abschluss-Szenerie am Ende der Zugreise.

Nachts gegen halb eins kamen dann noch zwei Mädchen in unser Zimmer, von dem wir vorher (natürlich), da es so lange leer war, hofften, dass dies auch so bleiben würde. Davor kam ein Typ insgesamt drei Mal ohne Klopfen ins Zimmer, guckte rein, schüttelte den Kopf, murmelte irgendetwas und verschwand wieder - ziemliche merkwürdiges Hostel mit merkwürdigen Mitarbeitern.
Am Dienstag, dem 13. Juni traten wir dann die Rückreise über Kopenhagen, Hamburg, Bad Oyenhausen und Bielefeld an. Die Strecke glich (zumindest fast) jener von Deutschland nach Kopenhagen (plus Stockholm - Kopenhagen, welche nicht besonders spektakulär war).
Damit ist unsere erste gemeinsame Reise (hoffentlich!) erfolgreich festgehalten. :D
Erster Blogeintrag: Der Weg nach Norden: Mal eben in Kopenhagen

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