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Alles über's Reisen

Wer schon auf dem Hintern sitzt, kann nicht mehr drauf fallen

Aktualisiert: 19. Apr. 2018

Tag 10 - 6. Juni 2017: Bodø - Moskenes - Å i Lofoten


Der folgende Eintrag handelt von dem Highlight unserer Reise: den Lofoten. Nach einer ungefähr drei-stündigen Fährfahrt von Bodø aus erreichten wir Moskenes, wo wir schon den ersten, sehr positiven Eindruck von den Lofoten erhielten.

Bei strahlendem Sonnenschein und über 20° (besser als zu diesem Zeitpunkt in Deutschland, 14° und Regen!) sahen wir nach ungefähr der Hälfte der Überfahrt die Felswand der insgesamt 190 km langen Inselkette vor uns aufragen, ein wahrhaft einzigartiger Anblick, an dem sich das Meer mit Bergen mit bis zu 1.000 Meter trifft.



Unsere Unterkunft für zwei Nächte war eine kleine rote Holzhütte im nahegelegenden Å, einem ebenfalls recht überschaubarem Ort - mit dem kürzesten Namen der Welt. Da wir kein Mietauto o.ä. zur Verfügung hatten, wurden wir netterweise von einer Dame der Jugendherberge abgeholt.

Dies sollte sich als durchaus sinnvoll herausstellen, da die Strecke Moskenes - Å (die wir sonst mit dem Rucksack hätten laufen müssen) trotz ihrer "nur" 6 km Länge doch mit reichlichem Auf und Ab relativ anstrengend aussah. Am Abend des Ankunftstages waren wir allerdings so erschöpft von der vorherigen Nachtzugfahrt, dass nicht mehr als ein kleiner Spaziergang auf einen kleinen Hügel des nahegelegen Sees, dem Ågvatnet, drin war - von hier aus hatten wir einen ersten Blick auf das, was die Hälfte des nächsten Tages ausfüllen sollte.


Tag 11 - 7. Juni 2017: Å i Lofoten - Kvalvika


Dafür ging es an jenem Tag so richtig los, wir haben bei strahlendem Sonnenschein auf der zur Hütte gehörenden Terrasse gefrühstückt und um 10 Uhr dann ganz entspannt unsere erste Wanderung begonnen, einmal um den See.

"Naja", dachte ich, "also diese Wanderung sollte in weniger als zwei Stunden zu schaffen sein." Falsch gedacht! Insgesamt haben wir fast fünf Stunden gebraucht, was aber überhaupt nicht schlimm war, da der See von steilen und hohen Bergen umgeben ist und die schneebedeckten Spitzen in der Sonne einfach wunderschön aussahen. Außerdem war der Weg an sich recht gut zu bewältigen, keine großartige Steigung oder steiles Gefälle erschwerte die Wanderung, allerdings mussten wir auch an zwei niedrigen Felswänden hochklettern und über Bäche springen, um weitergehen zu können - echt norwegisch halt, zusätzlich von dem Fehlen jeglicher Beschilderung.



Denn logischerweise sind die Wasserfälle, die wir bewundern konnten, nachher als Bäche in den See geflossen, was wir allerdings vorher überhaupt nicht als Problem in Gedanken hatten, bis wir dann von ihrer Breite überrascht wurden: Das Schmelzwasser der an den Gipfel liegenden Gletschern machte die kleinen Bäche zu einem reißenden Hindernis. Zusammen mit einem älteren deutschen Urlauber, der als einziger anderer in die gleiche Richtung lief, haben wir nach Stellen gesucht, die schmal genug waren, um über den Bach zu springen. Nass sind wir dabei kaum geworden, auch wenn es recht knapp war, geholfen haben uns hier die Äste einiger Bäume, an denen wir uns festhalten konnten. Pünktlich um 15 Uhr waren wir dann wieder unversehrt in unserer Hütte, da wir uns ja noch eine weitere Wanderung vorgenommen haben und wir uns dazwischen einmal kurz erholen wollten.

"Das Meerwasser war einfach unglaublich schön, klar und türkisblau"

Um 16 Uhr ging es dann weiter, wir sind mit dem Bus ca. 1 Stunde Richtung Norden nach Fredvang gefahren, um dort zur Kvalvika-Bucht zu wandern. Allerdings ist der Bus nicht direkt zum den Ort hingefahren, da er auf der anderen Seite eines Fjordes lag, sodass wir noch über zwei Brücken etwa 2 km laufen mussten. Das Meerwasser war einfach unglaublich schön, klar und türkisblau mit hell weißen Sandstränden und auch die hohen Berge haben einiges hergemacht.

Allerdings wurde meine Laune etwas getrübt, als ich gesehen habe wie steil der Weg zur Bucht ist... Um zur Bucht zu gelangen muss man (bei dem Weg, den wir gewählt haben) erst einen Kamm überqueren, also einmal von der Meereshöhe hoch auf einige hundert Meter und dann steil wieder nach unten. Da wurde mir schon mulmig und schon nach ca. 10 Minuten wandern bekam ich wirklich Angst und wollte abbrechen. Simon hat mich getröstet und mir versichert, dass das gar kein Problem sei, er aber wenigstens kurz nach oben gehen wolle, um wenigstens einen Blick auf die Bucht zu erhaschen (wir standen an einem Punkt, der kurz vor der Anhöhe war). Also saß ich alleine da und während ich auf ihn gewartet habe, war mir das ganze irgendwie zu doof, mich von meiner Höhenangst kontrollieren zu lassen. Also hab ich die Zähne zusammen gebissen, Simon gesagt dass wir so weit gehen würden wie wir kommen und bin weitergewandert.

Tatsächlich war es auf dem Berg selbst recht flach, es ging nur noch leicht auf und ab, was mich schon sehr beruhigt hat. Unterwegs haben wir mit einer Gruppe Engländer gesprochen, die meinten dass der Rückweg "much easier" sei, allerdings wäre der Weg zur Bucht runter auch noch einmal steil.



Nun gut, erstmal wollten wir uns selbst ein Bild von der Kvalvika-Bucht machen und schon von oben sah es einfach nur unglaublich aus. Die Bucht liegt zwischen drei großen Felswänden, die steil hervorragen und hat einen riesig breiten Sandstrand - Allein für diesen Ausblick hat sich die Anstrengung schon gelohnt.

"Von oben auf die Bucht zu schauen war eins der schönsten Erlebnisse der Reise"

Jetzt wollten wir natürlich auch runter, um am Strand zwischen den Felswänden entlang-zulaufen. Also bin ich ganz langsam, quasi sitzend den Berg runtergegangen, über vorsichtig und darauf bedacht, nicht wirklich nach unten zu schauen. Simon war schon leicht genervt von meiner Vorsicht (Anm. v. S.: Würde ich jetzt auch sagen!), aber meine Devise war: Wer schon auf dem Hintern sitzt, kann nicht mehr drauf fallen und außerdem finde ich den Abstieg immer schwieriger als den Aufstieg.

Irgendwann waren wir dann aber doch unten und ich muss sagen, von oben auf die Bucht zu schauen war eins der schönsten Erlebnisse der Reise. Am Strand entlangzulaufen, die Berge neben einem und die Weiter des Meeres voraus war einfach atemberaubend: Wie war ich froh, dass wir die Wanderung doch nicht abgebrochen haben!

Der Rückweg war wirklich angenehm leicht, was für mich schon eine Erleichterung war - es ging nach Süden wieder raus - das war die Route, die Simon eigentlich geplant hatte. Er hat mir später erzählt, dass die komplette Wanderung im Internet als "Norwegisch sehr leicht" eingestuft wird... Das hätte ich aber anders bewertet!

Um halb zehn waren wir dann ausgewandert und haben uns auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht. Wir hatten eine Stunde dafür Zeit, da um halb elf der letzte Bus nach Å fahren sollte. Irgendwie sah der Weg kürzer aus, als er dann tatsächlich war (ca. 6 km!). Zum Schluss ist Simon vor gelaufen, um den Bus zur Not aufzuhalten, da ich nur noch so hinterher eiern konnte und einfach nicht mehr so viel Energie hatte wie Simon. Wir haben es dann tatsächlich noch pünktlich geschafft, das Problem war nur: Wo bleibt der Bus?

Es wurde immer später und immer weniger Autos fuhren an uns vorbei, was uns schon leicht nervös werden ließ. Auf Simons Wunsch haben wir dann schließlich um 23 Uhr (also nach mehr als einer halben Stunde nach eigentlicher Abfahrt) unsere Daumen rausgehalten, da die 33 km von Fredvang nach Å einfach zu weit sind, um zu laufen. Besonders nach insgesamt 10 Stunden wandern!



Glücklicherweise hielt bereits das erste in die "richtige" Richtung fahrende Fahrzeug tatsächlich an. Wäre das nicht schon genug Glück gewesen, so war das Ehepaar in dem Auto ebenfalls deutsch, so viel uns dieses erste Mal per Anhalter fahren noch etwas leichter. Wir erzählten ein wenig von unserer Zugreise, was wir schon erlebt haben, was wir noch planen, und sie davon, dass sie eigentlich nur jedes Land einmal besuchen wollen, um möglichst viel von der Welt zu sehen - Abgesehen von Norwegen, wo sie zu dem Zeitpunkt das siebte Mal waren. Sie brachten uns netterweise bis kurz vor unsere Unterkunft, obwohl sie selber zwei Orte "weiter oben" ihre Unterkunft hatten, was echt super war.

Auf dem Rückweg haben sie sogar einmal vor Reine (einem typischen Postkartenort) angehalten, von dem sie vorher viel erzählt haben, wie schön er sei, und uns so dann einmal die Möglichkeit gaben, ihn von der Straße aus anzuschauen. Bevor wir zu unserer Reise aufgebrochen sind, hatten wir überlegt auf den an dem Ort gelegenen Hausberg, dem "Reinebringen" zu steigen. Als ich diesen aber dann gesehen habe, war ich unglaublich froh, dass wir uns für die beiden anderen Wanderungen entschieden haben, denn da wäre ich ganz sicher nicht hochgekommen (440 Höhenmeter in - laut Schildern - einer Stunde, also: reichlich steil).

"Aber so war es für uns irgendwie der perfekte Tag, denn obwohl nicht alles nach Plan lief, sind wir heile nach Hause gekommen, mit ganz vielen neuen Eindrücken und meinem Stolz, meine Höhenangst wieder ein wenig besiegt zu haben."

Zur Belohnung für den anstrengenden Tag gab es dann erst einmal ein Brot mit Käse (statt trocken), als Abrundung sozusagen.


Tag 12 - 8. Juni 2017: Å - Svolvær


Wir verließen Å früh am Morgen, um 9 Uhr stiegen wir in den Bus, der uns in etwa 4 Stunden bis nach Svolvær bringen soll. Als zweiten Aufenthalt quasi, damit man die Lofoten auch noch von einer anderen Seite kennenlernen kann. Das war zumindest der Plan. Im Endeffekt sollten wir am frühen Nachmittag ankommen, mit nichts im Bauch als einer Scheibe Toast mit einer halben Scheibe Käse (vielleicht gab's auch noch 'ne alte Banane, weiß ich nicht mehr so genau).

Wir stiegen in Svolvær-Zentrum aus, in der Annahme, dass das doch das sinnvollste sei, um möglichst nah bei der Unterkunft sein: natürlich nicht! Uns war zwar bewusst, dass die Herberge etwas weiter den Hafen hinunter sein sollte, wir nahmen aber nicht an, dass es eine Bushaltestelle geben sollte, die direkt davor war. Ironischer-weise fiel uns das ganze weder bei der ersten Ankunft dort auf, noch am Abend - im Endeffekt sahen wir das Bushaltestellenschild durch das Busfenster während der Weiterfahrt am nächsten Tag (nachdem wir die 2 km zurück zum Zentrum gegangen waren).



So gingen, bzw. schleppten wir uns (am meisten Fiona) die 2 km zur Unterkunft, um unser Gepäck loszuwerden, und dann sofort wieder zu verschwinden, um etwas richtig schön warmes zu essen zu finden; schließlich hatten wir uns in den 3 Tagen davor nur von unserem Rucksack ernährt. Es gab eine riesige Pizza und einen leckeren Döner-auf-Teller: Und das ganze sogar für norwegisch-erschwingliche Preise!

Anders als ursprünglich geplant nutzen wir den Aufenthalt aber nicht weiter als zweiten Eindruck der Lofoten, nach dem Essen gab's einen ruhigen Tag, ausgefüllt mit Büchern, Hörbüchern und Musik.




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