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Alles über's Reisen

Interrail - durch Zufall zum spontanen Plan

  • Simon
  • 9. Apr. 2017
  • 5 Min. Lesezeit

17 Tage durch Europas Norden, allein 10 davon mindestens in großen Teilen im Zug, von Kopenhagen bis zu den Lofoten, durch Schweden zurück - Moment, warum das Ganze eigentlich?


Wir schreiben einen Wochentag irgendwann am Ende vom Jahr 2016. Zum Frühstück gibt es wie jeden Tag die morgendliche Ration Tageszeitung - auf dem Cover: das Interrailticket wird 44 Jahre alt. Ich habe den Artikel gelesen und mit wie bei den meisten Einträgen in der Zeitung nicht allzu viel dabei gedacht, bis mir irgendwann aufgefallen ist, dass ich das Ticket doch gar nicht so richtig kannte und genauer las.


Die Route: Kopenhagen, Oslo, Bergen, Trondheim, Bodø, Lofoten, Abisko, Stockholm

Am Abend habe ich das Thema dann am Esstisch nochmal irgendwie aufgegriffen, als sich meine Schwester zu Wort meldete:

"Das will ich später mal nach der Schule machen. So für ein paar Wochen oder so, einfach ganz entspannt mit dem Zug durch Europa fahren und da hinzugehen, wo ich gerade Bock drauf habe."

So oder so ähnlich, zumindest inhaltlich richtig, lautete ihr Kommentar, der mich zum Nachdenken brachte. Ich dachte an Australien, an das eine ganze Jahr am anderen Ende der Welt, ach wie fern es ist. Und daran, dass 2016 der letzte traditionelle, regelmäßige Sommerurlaub mit meiner Familie war, dass ich 2017 nach meinem Abitur zuhause sitzen und arbeiten werde.


Da kam ich dann doch auf die Idee, wie es andere aus der Stufe ja auch taten, zwischen den Prüfungen und den Feiern am Ende in den Urlaub zu fahren. Doch nicht nach Malle zum Ballermann, sondern - mit dem Zug irgendwo in eine der Ecken Europas. Nur wohin?

Daraufhin schmiss ich natürlich gleich meinen Laptop an und informierte mich mal im Internet über das Ticket - wenn's ums Thema Reisevorbereitung geht bin ich ganz in meinem Element! :D Und siehe da, eine Karte mit den wichtigsten Zugstrecken Europas (hurra, auch noch eine Karte!)

Da sehe ich Europa vor mir, im Südwesten die iberische Halbinsel mit Spanien und Portugal, im Süden Italien, im Südosten die Staaten im Balkan. Dann noch ein wenig Großbritannien im Nordwesten (das fiel schon allein deswegen raus, weil ich im Sommer gerade erst in Schottland war) und schließlich - weit oben auf der Karte in einem extra Fenster versteckt - Skandinavien.


Aber wohin denn jetzt genau?


Aber noch war nichts entschieden, die Richtung nicht klar, also erzählte ich Fiona erst einmal von der Idee, um sie von einer Reise im Zug zu überzeugen (sie ist nun mal nicht so der total begeisterte Zugfahrer, der bei dem ersten Rütteln direkt einschläft). Italien? Spanien und Portugal? Osteuropa? Skandinavien? Skandinavien! Sie war, etwas überraschenderweise, quasi sofort überzeugt von Letzterem, obwohl sie doch sonst eher so die Warme ist.

"Ich war ja sonst immer nur im Süden, in Italien, meinetwegen können wir auch mal was anderes machen", meinte sie nur, mir sollte es recht sein. Also machte ich mich an die Planung, überlegte, wo entlang und wie weit man kommen könnte.


Dass es über Kopenhagen nach Oslo gehen sollte, war relativ klar, schließlich bildet diese Route - von Fähren abgesehen - das Tor nach Norwegen und damit irgendwie zu unserer Vorstellung von Skandinavien. Dann einmal nach Bergen und wieder zurück, oder doch mit dem Schiff runter nach Stavanger und direkt nach Stockholm/Schweden? Irgendwie war das nördliche Norwegen noch nicht in unseren Köpfen, ist es doch so weit von allem anderen weg.

Das Planungs-Tool zum Herausfinden der Fahrzeiten.

Bis zu den Lofoten oder nicht?


So kommt es ein paar Tage später, dass ich meiner Mutter das Vorhaben erzähle, dass ein Urlaub nach den Prüfungen als kleine Belohnung doch total angemessen sei und so weiter. Schnell überzeugt kommen dann auch ein paar ihrer Geschichten von damals, wie es der Zufall so will ist auch sie als Studentin mit dem Interrailticket nach Norwegen gefahren - bis hinauf zu den Lofoten.

"In mehreren Nachtzügen sind wir rauf gefahren, haben in den Abteilen mit einer Jacke über den Kopf, zum Schutz vor der Helligkeit in der Nacht, geschlafen. Auf den Lofoten dann eine Unterkunft gesucht, natürlich ohne Reservierung, und fertig." Die Lofoten wurden mit ins Programm aufgenommen: wenn sie das damals geschafft hat, schaffen wir das jetzt auch. Und Natur- bzw. Abenteuerziele sind doch sowieso immer die besten Ziele.


Die Karte wurde wieder aufgeschlagen (na gut, gedoppelklickt) und die Verbindung über Trondheim und Bodø zum Südzipfel des Archipels gezogen. Dann hieß es nur noch: Und jetzt? Wieder den ganzen Weg runter wäre irgendwie witzlos, eine so weite Distanz einfach nur zu fahren, um nach Hause zu kommen, doch sehr aufwändig. Aber siehe da: der Nachbar im Osten wurde von uns dann doch wahrgenommen, gibt es doch auch da die ein oder andere Bahnstrecke zurück in den Süden. Und da wir uns sowieso dann auf den Lofoten befinden werden, müssen wir uns ja sowieso per Bus für eine Weile fortbewegen, da ist der Weg nach Narvik, um von dort aus nach Schweden zu kommen ja gar nicht so abwegig. Narvik, die nördlichste norwegische Stadt mit einem Bahnhof, hat nur eine Verbindung über Kiruna in Schweden, jedoch keine direkte nach Norwegen. Das norwegische Bahnsystem endet in Bodø.


Nach einigem Hin und Her, ob und wo in Schweden jetzt genau übernachtet wird, wurden wir quasi direkt von dem nordschwedischem Nationalpark Abisko überzeugt, der genialerweise direkt an die Bahnstrecke grenzt und deswegen perfekt erreichbar ist. Außerdem bietet sich dadurch noch einmal die Möglichkeit, die nordische Natur und Wildnis zu erleben, doch irgendwie ganz anders als auf den Lofoten, wo doch die Berge und das Meer die Landschaft eindeutig prägen. Die raue, flache und bewaldete Gegend im Nationalpark steht dem wohl trotzdem nicht sehr viel nach, vor allen Dingen aufgrund der Tatsache, das es von da an auf direktestem Wege nach Süden, in die schwedische Hauptstadt Stockholm geht - mit einem knapp 17 Stunden Zug, der sogar zwei Reisetage vom Ticket aufbraucht!


Und was ist mit dem Übernachten?


In den letzten zwei Reisetagen (bzw. drei, wenn man die Fahrt Abisko-Stockholm als zwei wertet) fahren wir also die gesamte Strecke zurück, die wir in 14 Tagen hingefahren sind - aber der Weg lohnt sich! Insgesamt haben wir die Strecke auf die "10 Tage in 1 Monat"-Variante zugeschnitten, um möglichst sparsam zu sein, aber auch so weit zu kommen, wie wir wollten. Im Laufe der Planung hat es sich zudem so entwickelt, dass sich die Ziele (mitsamt Abfahrts- und Ankunftszeiten an den Bahnhöfen) für uns immer mehr gefixt haben, sodass wir beschlossen, auch Unterkünfte im Vorhinein schon zu buchen.

Erstens aufgrund der Tatsache, dass die Züge außerhalb des Ballungsraums Oslo relativ, naja, sagen wir mal, sparsam fahren. Ein paar Mal am Tag fahren die Züge die großen Städte von Oslo als Knotenpunkt aus an, so bieten diese Fernzüge sowieso keinerlei wirkliche Flexibilität.

Zweitens haben wir bei der bloßen Recherche über Unterkünfte schon die relativ dünn aufgestellte Beherberungsinfrastruktur in den nördlichen Bereichen bemerkt, die spontane Suchen nach der Ankunft am späten Abend zur Hochsaison am Sommeranfang als risikohaft darstehen lässt. Nicht, dass wir irgendetwas gegen Spontanität oder Abenteuer hätten - ganz im Gegenteil - doch bei ein bis zwei Unterkünften zu eh schon nicht allzu billigen Preisen, dem lückenhaften und unregelmäßigen Busverkehr fiel die Entscheidung auf Vorabbuchung doch nicht mehr so schwer.


Naja, da sind wir nun, ca. 1 1/2 Monate bevor es losgeht, die Abiturprüfungen noch vor uns, nur halt mit eben diesem Lichtblick am Ende des Tunnels, auf den wir uns freuen können. Dann mal ein gutes Gelingen!

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