Sonnenbrand in Bergen
- Fiona
- 1. Juni 2017
- 5 Min. Lesezeit
Tag 4 - 31. Mai 2017: Oslo - Bergen
Wir sollten aber nicht in Oslo bleiben, Bergen, Norwegens zweitgrößte Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern, sollte unser nächstes Ziel sein. Warum keinen Aufenthalt in Oslo? Naja, die einzige Zugverbindung nach Bergen besteht von Oslo, daher waren wir ohnehin "gezwungen", die Strecke Oslo-Bergen zweimal zu fahren. Und irgendwie ist es in der Planung im Vorhinein darauf hinausgelaufen, dass wir erst Bergen, und dann Oslo besuchten.

Allein schon die Zugfahrt von Oslo nach Bergen über das norwegische Hochland war wirklich atemberaubend. Zunächst fing alles ganz harmlos an: Wir hatten keine Plätze reserviert (anders als bei den anderen Fernzügen in Norwegen ist die Buchung für die Strecke nicht verpflichtend) und mussten deshalb zwei Mal umziehen, wobei eine nette Schaffnerin noch zwei freie Plätze in dem sonst eigentlich ausgebuchten Zug für uns organisieren konnte (Reservie-rungen für diese Fahrt können wir also nur empfehlen, das erspart einem unnötigen Stress wenn tatsächlich mal alles besetzt sein sollte: Keiner möchte sechs Stunden stehen, vor allem, wenn man dadurch die Landschaft nicht genießen kann). So saßen wir schließlich in endgültig an einem Platz, in Fahrtrichtung (was besonders für mich wichtig war), allerdings konnten wir nur durch die Fenster unserer Vordermänner den Landschaftswechsel erleben, da wir leider kein Fenster neben uns hatten. Ungefähr zwei Stunden lang fuhren wir an Wäldern, Fjorden und Seen vorbei, die Landschaft war also vor allem grün und blau, recht schön, wenn auch schon irgendwie „gewohnt“. Für mich war dies die typische Norwegen Landschaft, so wie man sie von Bildern oder Reiseführern kennt. Allerdings verwandelte sich die dichte Vegetation schon bald in eine karge, aber total faszinierende Eislandschaft. Begeistert fotografierten und filmten alle Norwegen-Touristen die meterdicken Schneeschichten, die ab und zu von einem stahlgrauen Fluss unterbrochen wurden. Tatsächlich standen, wenn auch vereinzelt, ein paar rote Häuschen, die so typisch für Norwegen sind, mitten in dieser Einöde. So schön diese Umgebung auch aussah, leben wollten wir da nicht, soviel war Simon und mir schon klar. Schließlich sieht man allein an der sparsamen Zugverbindung, wie abgeschieden manche Orte im Norden sind. Die Sträßchen die man manchmal vom Zug aus gesehen hat, waren nicht mehr als einfache Schotterpisten, die hier und da im Fluss, bzw. in den Anfang Juni immer noch vorhanden Schnee- und Eismassen verschwanden. Nach über sechs Stunden Fahrt kamen wir dann in Bergen an, sehr erfreut über den Sonnenschein! Tage vorher hatte Simon schon nach dem Wetterbericht geschaut, dort hieß es immer schon, dass es sonnig werden würde, bis zur Ankunft konnten wir es aber nicht so richtig glauben. Man muss natürlich dazu sagen, dass Bergen die regenreichste Stadt (oder das "Regenloch") Europas ist, weshalb wir schon wirklich Glück hatten.

Nachdem wir für die nächsten Fahrten (die Rückfahrt nach Oslo, sowie die Weiterfahrt von da aus nach Trondheim) am Bergener Bahnhof Reservie-rungen gekauft hatten (wir lernen schließlich!), ging es zu Fuß zum nur 400 Meter entfernten Marken Gjestehus. Das Hostel befindet sich recht zentral und hat auf uns einen guten, gepflegten Eindruck gemacht, wie allerdings alle Hostels in denen wir während unserer Reise gewohnt haben. Zu Bergens Innenstadt fällt mir als erstes das Adjektiv „niedlich“ ein, es gibt einen Hafen und zahlreiche kleine Geschäfte, alles in dem typisch skandinavischen Stil. Natürlich durfte auch eine weltweit bekannte Fastfoodkette nicht fehlen, die wir eventuell aufgesucht haben könnten... weil billig... Aber als Backpacker muss man manchmal Abstriche machen, besonders da Lebensmittel in den nordischen Ländern sehr teuer sind. (So als Beispiel: Wenn man irgendwo eine ganz normale Pizza Margherita für umgerechnet unter 15 Euro findet, hat man garantiert das Schnäppchen des Tages gemacht!) Außerdem hat man wirklich das Zeitgefühl verloren, da es auch schon in Bergen erst sehr spät dunkel wurde und man so quasi die Nacht zum Tag machen konnte, ohne es zu merken. Natürlich sind wir dann doch irgendwann schlafen gegangen, schließlich stand am nächsten Tag die Wanderung auf den Ulriken, dem höchsten Berg Bergens, auf dem Plan.
Tag 5 - 01. Juni 2017: Bergen
So ging es um 08:30 am nächsten Morgen raus aus den Federn und ab in die Wanderschuhe, denn schon die ersten Meter erwiesen sich als sehr steil (Gelaufen wurde vom Hostel aus, um sich den Bus zu sparen; bis zum Startpunkt handelte es sich sowieso nur um die 3 km). Gerade für mich als Wander-Anfänger war dies schon eine kleine Herausforderung, und die Tatsache, dass eine ältere Frau in Sportklamotten in einem irrsinnig schnellen Tempo an uns den Abhang vorbeigelaufen ist, ganz entspannt und ohne auf all die Steine und Wurzeln zu achten, hat das Ganze nicht besser für mich gemacht. Allerdings war der Großteil des Weges dann doch noch recht gut zu bewältigen und die Aussicht war auch weit vor der Spitze schon wunderschön, da man auf das Meer, Bergen und viele keine Seen herabblicken konnte.
Und das bei strahlendem Sonnenschein, wohl gemerkt! Dabei hatten wir beim Packen unserer Rucksäcke natürlich eins vergessen: Sonnencreme. Wer denkt schon, dass man sich in Norwegen einen Sonnenbrand holt, da, wo's eigentlich immer garantiert regnet? Simon war, mit seiner hellen Haut, allerdings schlimmer dran als ich, war ich doch durch vorheriges in der Sonne „brutzeln“ schon etwas abgehärtet.

Von der leicht geröteten Haut haben wir uns natürlich nicht abhalten lassen, denn die ca. 650 Meter hohe Spitze des Ulriken war nicht mehr weit entfernt. Trotz meiner Höhenangst war der Großteil der Strecke gut zu bewältigen, vor allem weil man sich quasi in einem bewaldeten Hang befand und so die Höhe erst recht spät bemerkte. Kurz vor der Spitze hörte es dann allerdings auch schon wieder auf mit der nervenschonenden Umgebung und es wurde sehr steil und steinig. Für mich hieß es also: Zähne zusammen beißen und nicht auf die Höhe achten. Dafür war es dann auf der Spitze umso angenehmer, alles sehr flach und mit grün-braunem Moos überzeugen, „Wie in Schottland“ war Simons Kommentar, was ich ihm einfach mal glaube. Auf der Spitze haben wir dann erst einmal eine kleine Pause gemacht, schließlich hat der Aufstieg gut drei Stunden gedauert. Nach einem wohlverdienten Apfel und dem obligatorischen Käsebrot, sind wir dann noch weitere zwei Stunden auf der Ebene gewandert und konnten die wahrlich schöne Aussicht genießen. Da kaum Wolken den Himmel verdeckten, war die Sicht zudem ungetrübt.

Unser "Weg" führte vorbei an Mini-Seen und steilen Hängen, bis wir schließlich nach einer Runde bei der Seilbahn ankamen, wo wir für umge-rechnet 6 Euro pro Person Tickets nach unten gekauft haben - Diesen Luxus haben wir uns dann einfach mal gegönnt, schließlich ist meine Erfahrung, dass runter wandern oft schwieriger ist als hoch. Nach drei Minuten waren wir also wieder unten, kaum zu glauben, wie schnell das doch ging im Vergleich zum Fußmarsch. Um nochmal auf den Titel dieses Eintrags zurück zukommen, den Sonnenbrand im Gesicht haben wir erst am nächsten Tag in seiner vollen Pracht zu sehen bekommen, aber wer kann das in Bergen schon von sich behaupten? Generell wird uns die Wanderung aber in sehr positiver Erinnerung bleiben, schließlich war der Weg größtenteils sehr angenehm und sobald man oben stand war die ganze Anstrengung sowieso vergessen. Das einzige, was ich nächstes Mal anders machen würde: Sonnencreme einpacken!
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